Kurs für Venezuela ungewiss

Widersprüchliche Signale

Nach dem brutalen Überfall der USA auf Venezuela und der Entführung des Präsidenten Nicolás Maduro und dessen Ehefrau Cilia Flores gibt es widersprüchliche Signale über den Kurs, den das südamerikanische Land jetzt einschlägt. Unstrittig ist offenbar, dass Washington und Caracas über die Wiederaufnahme der Kooperation im Erdölsektor verhandeln. Nach Darstellung des Weißen Hauses sagte Caracas dabei zu, die Bezahlung des in die USA gelieferten Erdöls ausschließlich in US-Produkte zu investieren. Zudem kündigte US-Präsident Donald Trump an – ob mit oder ohne Wissen seiner venezolanischen Verhandlungspartner ist unklar –, dass künftig kein Öl aus Venezuela mehr nach Kuba geliefert werde.

Gleichzeitig demonstriert Venezuelas Regierung ihre anhaltende Verbundenheit mit den bisherigen Verbündeten. Am 8. Januar reiste Kubas Außenminister Bruno Rodríguez nach Caracas, um gemeinsam mit der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez an einer Gedenkzeremonie für die 32 bei der US-Aggression getöteten kubanischen Sicherheitskräfte teilzunehmen. Auch Treffen der bisherigen Vizepräsidentin mit den Botschaftern Russlands und Chinas wurden in den staatlichen Medien breit dargestellt, ein deutliches Signal, dass man an den bisherigen Allianzen festhalten wolle.

Auch die venezolanische Journalistin Modaira Rubio wies im Gespräch mit dem lokalen Rundfunksender Radio Catabre in Barinas darauf hin, dass Trumps Vorstellungen hinsichtlich der Ausbeutung des venezolanischen Erdöls nach Ansicht US-amerikanischer Experten unrealistisch und undurchführbar seien. Die großen US-Ölkonzerne zeigen sich zwar interessiert, ihre Geschäfte mit Venezuela wieder aufzunehmen, halten sich aber mit Investitionszusagen zurück. Bei einem Treffen mit Spitzenmanagern der Branche erlebte Trump einen ungemütlichen Augenblick, als er einen Vertreter von Halliburton fragte, wann dessen Unternehmen Venezuela verlassen habe, und daraufhin zur Antwort erhielt: 2019, aufgrund der von Washington verhängten Sanktionen – „Wir wollten nicht gehen.“

Unklar ist, wie geschlossen die venezolanische Regierung derzeit tatsächlich ist. Die Machtübergabe an Delcy Rodríguez erfolgte weitgehend lautlos, entsprechend der Vorgaben der Verfassung, und seither hat niemand öffentlich ihre Autorität in Frage gestellt. In ausländischen Medien wird trotzdem ein Machtkampf zwischen Rodríguez und Innenminister Diosdado Cabello herbeigeschrieben, der hinter Maduro auch Vizechef der Regierungspartei PSUV ist. Tatsächlich wäre es nicht überraschend, wenn es zu Konflikten zwischen beiden käme, schon in der Vergangenheit hatten beide unterschiedliche Strategien bevorzugt – Rodríguez als Diplomatin und Cabello als Berufsmilitär. Bislang hatten sich beide jedoch immer loyal hinter die gemeinsam oder von Maduro getroffenen Entscheidungen gestellt und Cabello dürfte genau wissen, was ein Machtkampf innerhalb der Regierung für das Land bedeuten würde.

Unabsehbar ist derweil, wie sich die bolivarische Basisbewegung mittelfristig aufstellt. Die USA hatten am vergangenen Wochenende alle US-Bürger in Venezuela zur sofortigen Ausreise aufgefordert und das mit paramilitärischen Milizen begründet, die mit Straßensperren Jagd auf US-Bürger machten. Caracas wies das entschieden zurück und verwies darauf, dass es im Lande ruhig sei. Richtig ist allerdings, dass es in Venezuela zahlreiche unabhängige Basisorganisationen gibt, die sich als chavistisch verstehen, aber nicht auf Anweisungen von oben warten. Für eventuell in Venezuela einmarschierende US-Truppen sind diese neben den regulären Streitkräften und Milizen ein schwer einzuschätzender Faktor.

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Kritischer Journalismus braucht allerdings Unterstützung, um dauerhaft existieren zu können. Daher freuen wir uns, wenn Sie sich für ein Abonnement der UZ (als gedruckte Wochenzeitung und/oder in digitaler Vollversion) entscheiden. Sie können die UZ vorher 6 Wochen lang kostenlos und unverbindlich testen.

✘ Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe (at) unsere-zeit.de)

"Widersprüchliche Signale", UZ vom 16. Januar 2026



    Bitte beweise, dass du kein Spambot bist und wähle das Symbol Herz.



    Spenden für DKP
    Unsere Zeit