Anfang der Woche bestätigte die IG Metall entsprechende Medienberichte: Der VW-Konzern habe weltweit Personalvorstände angewiesen, bis 2030 alle Tariflöhne auf dem jetzigen Stand einzufrieren. Bislang gab es seitens der Zentrale lediglich eine Empfehlung an Skoda, Seat, Porsche und andere Markenvorstände, sich an den jeweiligen Inflationsraten im Land zu orientieren. Ferner sollten mögliche Lohnerhöhungen in den 111 Produktionsstätten des Konzerns national verhandelt werden.
Die neue Vorgabe betrifft weltweit 660.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; in Deutschland allein 275.000 Menschen. Von ihnen fallen 130.000 Beschäftigte unter den VW-Haustarifvertrag, der vom Vorstand bereits gekündigt ist. Die anderen 145.000 für den Konzern hierzulande arbeitenden Metallerinnen und Metaller fallen unter den Flächentarifvertrag. In der gerade angelaufenen Verhandlungsrunde für diese Branche fordert die IG Metall eine Lohnerhöhung von 5 Prozent.
Damit sind über den VW-Konzern hinaus die Rahmendaten für diese Runde des Kampfes zwischen den arbeitenden Menschen und dem Kapital gesetzt: Der größte deutsche Industriekonzern plant, eine massive Reallohnkürzung der Beschäftigten durchzusetzen. Denn ein Einfrieren aller Löhne bis 2030 bedeutet bei der jetzigen Inflationsrate eine Reallohnkürzung von deutlich über 10 Prozent in den kommenden Jahren. Steigt die Inflation aufgrund des Kriegskurses der USA/EU und NATO weiter, beschleunigt sich der Reallohnverlust.
Dabei ist das Datum 2030 nicht zufällig gewählt. Dann nämlich läuft der zu Weihnachten 2024 zwischen VW und Gesamtbetriebsrat vereinbarte Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen aus. Bis dahin soll allen der Gürtel enger geschnallt werden. Im Anschluss, also unter deutlich schlechteren Bedingungen für die Beschäftigten, soll über die Zukunft der Werke etwa in Hannover, Zwickau, Emden oder Neckarsulm entschieden werden.
Auf die Lohnforderung von 5 Prozent hat die Kapitalseite bisher noch nicht reagiert. Die Nulldiät-Linie des VW-Konzernvorstands ist ein deutliches Signal dafür, dass auch andere Teile des Kapitals mit „0 und keinen Cent mehr!“ antworten werden. Damit verallgemeinert sich die Bedeutung der ab 1. Januar bei VW anstehenden Auseinandersetzungen um die Haustarifverträge. Zu denen gehört übrigens die Vereinbarung über die 35-Stunden-Woche, von der VW-Chef Oliver Blume schon angekündigt hatte, sie durch Mehrarbeit ohne Lohnausgleich ersetzen zu wollen. Kommt VW damit durch, brechen auch bei BMW, Ford und über die Automobilindustrie hinaus alle Dämme. Das Ergebnis wäre auf breiter Front eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit bei gleichzeitigem Einfrieren der Löhne.
Unüberhörbar regt sich bei den Beschäftigten des Konzerns und an der Basis der IG Metall Widerstand gegen diesen Hungerkurs. Die gute Beteiligung von 170.000 Beschäftigten der Automobilindustrie am Aktionstag der Gewerkschaft am 21. September war ein ermutigendes Zeichen der Kampfbereitschaft. Die nächsten Wochen werden darüber entscheiden, ob es innerhalb der IG Metall, der Betriebsräte und der Belegschaft der VW-Werke gelingt, die Gegenwehr zu organisieren. Über den VW-Konzern hinaus hängt vom Ausgang dieses Kampfes viel ab für Lebensarbeitszeit und Einkommen von Millionen Familien, nicht nur in Deutschland.







