Die Anreise zum LLL-Wochenende war in diesem Jahr auf allen Wegen abenteuerlich. Schneechaos, vereiste Autobahnen und eine Deutsche Bahn, bei der gar nichts mehr ging – und das über mehrere Tage.
Viele saßen über Stunden in kalten Zügen ohne Heizung fest, strandeten in Hannover oder fuhren erst gar nicht los. Als wir es am Samstag in Essen endlich in einen Zug geschafft hatten, war der Jubel groß – allerdings nur kurz, denn los fuhr der Zug nicht. Erst suchte man verzweifelt den eigenen Triebfahrzeugführer. Als dieser nicht auftauchte, wurde die Suche ausgeweitet – falls einer unter den Fahrgästen weile, solle er sich erbarmen und den Zug nach Berlin bringen. Doch die Suche hielt nicht lange an. Letzte Durchsage: „Bitte alles aussteigen, die Strecke ist gesperrt.“ Aber immerhin: Unter einer Stunde am Bahnhof, um Klarheit zu bekommen, dass es nun wirklich keine Chance mehr gibt, nach Berlin zu kommen. Das dürfte der Schnelligkeitsrekord des vergangenen Wochenendes gewesen sein.
Das Drama an dem Bahnchaos dieses Wintereinbruchs ist aber nicht das verpasste Politwochenende in Berlin. Es ist auch nicht die anstrengende Nicht-Kommunikation der Deutschen Bahn. Und auch am entlaufenen Triebfahrzeugführer hing es nicht. Winter soll es ja tatsächlich regelmäßig geben, manchmal gehören Schneestürme dazu, und in Russland, Finnland und anderen für Eis und Schnee berüchtigten Gegenden fahren auch Züge, sogar pünktliche.
Doch mit der Eisenbahn in Deutschland ging es bergab seit der Gründung der Deutschen Bahn AG. Pünktlichkeit ist etwas, worauf Fahrgäste nicht mehr zu hoffen wagen, Zugausfälle sind eine unangenehme Regelmäßigkeit geworden und so etwas wie Komfort erwartet in überfüllten Zügen mit ständig angeschlagenen Bordbistros auch keiner mehr.
Das Schlimme ist, Totalausfälle wie am vergangenen Wochenende ließen sich vermeiden. Redundanzen gehören zu einem vernünftigen Betrieb der Infrastruktur dazu. Das gilt auch für Nebenstrecken, Zweigleisigkeit und andere Ausweichmöglichkeiten, die es Zügen ermöglichen würden, an ihrem Ziel anzukommen. Es könnte so einfach sein. Aber dann wäre halt weniger Profit.


