Über die US-Strategie gegen Iran

Armut als Waffe

Die starke Welle des Protests, die sich Ende letzten Jahres im Iran gegen die wirtschaftliche Misere ausbreitete, kam nicht überraschend. Die weiter verschärfte Wirtschaftsblockade und die direkte militärische Aggression Israels und der USA im Juni haben die wirtschaftlichen Probleme des Landes noch erheblich verschärft. Das Embargo, mit dem Iran konfrontiert ist, ist ähnlich umfassend und brutal wie das gegen Kuba. Es gelingt dem Land zwar, durch Ausweitung des Handels mit Russland, China und seinen asiatischen Nachbarn die Auswirkungen einigermaßen abzufedern. Die finanziellen Einbußen und Versorgungsprobleme sind aber dennoch erheblich. Sie führen unter anderem zur steten Abwertung der iranischen Währung und zu wachsenden Kaufkraftverlusten sowie zu einer anhaltend hohen Inflation. Das treibt Millionen Menschen, auch aus der Mittelschicht, zunehmend in die Armut. Dies entspricht dem erklärten Ziel Trumps, die Iraner durch drastische Verschlechterung der Lebensbedingungen möglichst derart in die Verzweiflung zu treiben, dass sie sich gegen das Regime erheben.

Dies wird von Berlin, Paris und London aktiv unterstützt. Die von ihnen über den „Snapback“ reaktivierten Wirtschaftssanktionen der UNO und der EU ließen den Währungskurs weiter verfallen und trieben die Inflation auf fast 50 Prozent. Ihre Rechnung geht bisher jedoch nicht auf. Die Proteste zielen nicht auf einen Umsturz, sondern konzentrieren sich auf die prekären Lebensbedingungen und unzureichende Gegenmaßnahmen der Regierung. Offensichtlich bemühen sich allerdings auch bewaffnete Gruppen, Demonstrationen eskalieren zu lassen.

Die westlichen Strangulationsmaßnahmen und die massive Unterstützung regierungsfeindlicher Kräfte haben nichts mit Freiheit und Demokratie zu tun und richten sich auch nicht gegen das Atomprogramm des Iran. Ziel ist die Ausschaltung einer Regionalmacht, die – ähnlich wie Venezuela – strategische Allianzen mit China, Russland und anderen Gegnern des Westens unterhält, Handel am Dollar vorbei betreibt und sich durch Ressourcenreichtum und geografische Lage zu einem multipolaren Knotenpunkt entwickelt.

Da im Land ausreichend starke Kräfte fehlen, um ein prowestliches Regime zu installieren, geht es den USA, Israel und der EU darum, den Iran auf das Niveau von Syrien oder dem Irak herunterzubringen.

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"Armut als Waffe", UZ vom 9. Januar 2026



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