Auf Spurensuche in St. Petersburg • Von Stefan Kühner

Die Stadt, die Lenins Namen trug

Das Mündungsgebiet des Flusses Newa war über Jahrtausende hinweg wüstes Land. Der Fluss, der in den Finnischen Meerbusen mündet, lag dennoch schon lange an einem wichtigen Handelsweg nach Mitteleuropa. 1700 startete Schweden, das sich die strategisch wichtige Flussmündung sichern wollten, einen Krieg gegen den russischen Zaren Peter. Dieser wurde später „Peter der Große“ genannt. 1703 befahl er, auf einer kleinen Insel, der Haseninsel, eine Befestigungsanlage zu bauen, um zukünftige Angriffe der Schweden leichter abwehren zu können. Zehntausende Bauern wurden hierfür zu Frondiensten gezwungen. Schnell wurde die Festung zu einem berüchtigten Gefängnis, in das alle wanderten, die die zaristische Herrschaft „bedrohten“. Der erste Gefangene war 1717 Alexei, der Sohn Peters I. Es folgten Teilnehmer des Dekabristenaufstandes, Fjodor Dostojewski, Michail Bakunin, Alexander Iljitsch Uljanow, der Bruder Lenins, Maxim Gorki, Leo Trotzki und der Anarchist Peter Kropotkin. Die Anlage steht in ihren Grundstrukturen bis heute. Sie heißt Peter-und-Paul-Festung und ist ein Wahrzeichen der Stadt. Es gibt dort Rekonstruktionen einiger Zellen und einige einfache Erinnerungstafeln an die Opfer. An die Kommandanten erinnern mächtige Grabsteine.

In nur fünfzig Jahren nach der Gründung der Stadt, die den Namen St. Petersburg erhielt, ließen der Zar und die mit ihm verbundenen adeligen Herrscher prunkvolle Paläste, Theater, Museen und Hochschulen errichten, für die Massen von Arbeitern und überaus geschickte Handwerker und Künstler angeworben wurden. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zum wichtigsten Industriezentrum des russischen Reichs und zur Stadt des Proletariats. 50 Prozent der Fabriken, die chemische Produkte herstellten, 25 Prozent des Maschinenbaus und 15 Prozent der Textilindustrie des Landes waren dort konzentriert. Die Lebensbedingungen in der Stadt für die Proletarier und ihre Familien waren grauenhaft. Ähnlich sah es mit den Arbeitsbedingungen in den Betrieben aus. Die Arbeiter kamen vom Land. Dort fanden sie durch die Industrialisierung der Landwirtschaft keinen Lebensunterhalt mehr. Sie zogen zu Tausenden in die Stadt, wo sie zu Hungerlöhnen ihre Arbeitskraft verkaufen mussten. Es ist also kein Wunder, dass die Wut auf die Unternehmer wuchs. Parallel wuchs aber auch der Organisationsgrad des Proletariats. In den Großbetrieben begannen die Bolschewiki ihre Aufklärungsarbeit und legten den Grundstein für die Revolution. Hunderte wurden von der zaristischen Geheimpolizei verhaftet, deportiert und ermordet.

Ab 1914 hieß die Stadt Petrograd. Im Februar 1917 gingen Tausende, vorneweg hungernde Textilarbeiterinnen, auf die Straßen. Der Zar ließ sie niederschießen, doch dann wechselten die Soldaten die Fronten. Der Zar musste abdanken. Arbeiter, Bauern und Soldaten organisierten sich und bildeten Sowjets, die Keimzelle einer eigenen demokratischen Machtstruktur. Die bürgerlichen Kräfte wollten dies verhindern, sie errichteten unter Kerenski eine Gegenregierung. Keines ihrer ursprünglich sozialistisch klingenden Versprechen, insbesondere die Bodenreform, wurde eingehalten. Im November 1917 übernahm das Proletariat unter Führung von Lenin die Macht. Kaum mehr als zwei Jahre später, fünf Tage nachdem die Nachricht von seinem Tod die Stadt erreichte, beschloss der Petrograder Sowjet am 26. Januar 1924 den Namen der Stadt mit Lenin zu verbinden. Aus Petrograd wurde Leningrad. Bis 1991 behielt die Stadt diesen Namen¸ dann radierte die Bourgeoisie ihn wieder aus und benannte sie erneut nach dem Zaren. Auch viele Straßennamen, die an Kämpfer der Revolution erinnerten, wurden getilgt. Ein Beispiel ist die Spalernaja Ulica, die direkt auf das Smolny führt. Sie hieß von 1920 bis 1990 Woinow Ulica und erinnerte an den Arbeiterkorrespondenten Iwan Woinow. Er wurde am 16. Juni 1917 von Konterrevolutionären ermordet. An der Stelle findet man mit etwas Glück eine Anschlagtafel mit einer tagealten „Prawda“. Alles deutet darauf hin, dass diese Erinnerung keinen öffentlichen Charakter hat.

Trotz alledem sind aber bis heute viele Zeugen der Revolution geblieben. Man muss die Augen aufmachen, um sie zu finden! Es empfiehlt sich außerdem, ein wenig über die Geschichte der Stadt zu lesen, denn in den „modernen“ Reiseführern findet man wenig über die „sowjetische Zeit“, wie das Zeitfenster zwischen 1917 und 1990 „offiziell“ genannt wird. (Ein Tipp für Reisende: versucht, euch über Antiquariate einen Reiseführer „Leningrad“ aus der DDR oder der UdSSR zu besorgen.)

Das Smolny, Hauptquartier der Revolution
„Unter dem alten Regime (gemeint ist das der Zaren/SK) war es eine berühmte Hofdamenschule für die Töchter des russischen Adels und unter dem Patronat der Zaren stehend. Nach der Umwälzung wurde es von den revolutionären Organisationen der Arbeiter und Soldaten übernommen. In seinem Inneren befinden sich über 100 Zimmer, weiß und schmucklos. Kleine weiße Emailschildchen wiesen die Vorübergehenden darauf hin, welcher Bestimmung einst die Zimmer dienten. ‚Damenklassenzimmer Nr. 4‘ lese ich, oder ‚Büro für das Lehrpersonal‘. Darüber hängen mit ungeschickten Schriftzeichen Tafeln der neuen Ordnung: ‚Zentralkomitee des Petrograder Sowjets‘, ‚Zentrales Exekutivkomitee der Sowjets und Büro des Auswärtigen‘, ‚Verband sowjetischer Soldaten‘ und ‚Fabrik- und Werkstättenkomitees‘“ so beschreibt es John Reed, der amerikanische Journalist und Kommunist, in seinem Buch „10 Tage, die die Welt erschütterten“. Hier agierte und lebte Lenin in zwei kleinen Zimmern während der hektischen Tage der Revolution. Leider kann man das Gebäude nicht mehr besuchen. Es beherbergt einige Abteilungen der Stadtverwaltung. Ein Polizist weist freundlich-streng darauf hin, dass man hier nur durch den Zaun fotografieren darf. Vor dem Eingang steht Lenin mit ausgestrecktem Arm und weist darauf hin, wer hier das Sagen hatte. Ein paar Schritte entfernt stehen die Büsten von zwei deutschen Philosophen: Karl Marx und Friedrich Engels.

Das Smolny, Hauptquartier der Revolution (Foto: Oct4vi4nus / Wikipedia / CC BY-SA 3.0)

Der Bahnhof, zu dem Jalawa Lenin brachte
Petrograd hatte keinen zentralen Bahnhof. Für die verschiedenen Bahnstrecken, die in die Stadt führten, gab es Endbahnhöfe, die nach den Startpunkten der Bahnen genannt wurden, wie zum Beispiel der Moskauer Bahnhof oder der Finnische Bahnhof.

Letzterer spiete in der Geschichte der Revolution eine große Rolle. Am 27. Juli 1917 musste Lenin, der erst im April aus dem Exil nach Petrograd zurück gekehrt war, vor einer drohenden Verhaftung durch die Regierung Kerenski nach Finnland fliehen. Dabei half ihm der Lokomotivführer Huge Jalawa, der den als Heizer verkleideten Lenin über die Grenze schmuggelte. Am 24. September kehrte Lenin – erneut als Heizer verkleidet – an der Seite Jalawas nach Petrograd zurück. Die Politrockgruppe „Schmetterlinge“ hat dieser Fahrt ein musikalisches Denkmal gesetzt. „Von Sonn‘ und Kessel schwarzgebrannt und auch vom scharfen Wind, steht Jalava am Führerstand, wo Dampf und Flammen sind. Sein neuer Heizer ist dabei, der ihm das Feuer nährt, auf der Lokomotive 293, die heut‘ nach Russland fährt.“ 1957 schenkte Finnland der Stadt die Lokomotive. Sie steht im Finnischen Bahnhof in einer Vitrine.

Der Platz vor dem Bahnhof trägt bis heute den Namen Lenins und wird geprägt von seiner überlebensgroßen Statue, die zur Vorlage von Lenindenkmalen in vielen Städten der Sowjetunion wurde. Sie zeigt den Führer der russischen Arbeiterklasse mit ausgestrecktem richtungsweisendem Arm. Heute ist der Platz ein Treffpunkt der Menschen dieser Stadt, vor allem am Samstagabend, wenn die Wasserspiele unter dem Rhythmus klassischer und moderner Musik tanzen.

Lokomotive 293

Die „Aurora“ und der Sturm auf das Winterpalais
Nicht weit entfernt vom Finnischen Bahnhof liegt seit 1956 die „Aurora“ vor Anker. Das Kriegsschiff wurde einst für den Einsatz gegen Japan gebaut. Seine 570 Mann starke Besatzung gehörte zu den klassen bewussten Soldaten. Nach dem ersten Kriegseinsatz wurde die urspüngliche Besatzung wegen ihres rebellischen Aufbegehrens gegen die unhaltbaren Verhältnisse an Bord aufgelöst, aber schon während der Februarrevolution hisste die neue die rote Fahne. Die Matrosen übernahmen das Kommando und verweigerten der „provisorischen Regierung“ den Gehorsam. Als der bewaffnete Oktoberaufstand begann, verhinderte die Besatzung, dass die Newa-Brücken nachts hochgezogen wurden. Wäre dies geschehen, wären die Petrograder Arbeiterbezirke voneinander getrennt und vom Zentrum des Aufstandes isoliert worden. In der Nacht zum 7. November richtete der Kreuzer sein Buggeschütz in Richtung des Winterpalais, wo die provisorische Regierung unter Kerenski residierte. Um 21:45 Uhr wurde das Signal zum Angriff auf das Winterpalais gegeben. Ein verhältnismäßig kleiner Trupp von Matrosen stürmte über eine schmale Hintertreppe den prunkvollen Zarenpalast. Kerenski konnte fliehen. Mehrere Minister wurden gefangen genommen. Die provisorische Regierung wurde abgelöst. Die Gegner der Revolution verbreiteten die Lüge, der Palast sei von den Rotgardisten geplündert worden. John Reed, der selbst im Palast war, widerlegt dies eindrucksvoll: „Von den Massen geschoben, kamen wir zu dem rechten Eingang … Große Kisten standen dort, auf die sich Rotgardisten und Soldaten gierig stürzten. … Doch kaum hatte das Plündern begonnen, ertönte schon der Ruf ‚Aufhören Kameraden! Nichts anrühren, nichts nehmen, Eigentum des Volkes!‘ … zwei Männer trugen eine entwendete Bronzeuhr wieder zurück.“

Heute erinnert im Winterpalais lediglich eine unscheinbare Tafel im betreffenden Treppenhaus an den Sturm auf das Palais. Wenn die Fremdenführer nicht explizit darauf hinweisen, wird sie leicht übersehen. Unweit dieser Tafel findet man ein weiteres Zeugnis der Revolution. In einem Saal, in dem riesige Porträtgemälde der Zaren hängen, trifft man auf eine Leinwand mit dem Bild des letzten Zaren. Wer unachtsam vorbeigeht sieht nicht, dass auf der Rückseite derselben Leinwand Lenin abgebildet ist. Es sind zwei der wenigen Exponate, die an die Revolution erinnern. Das Auge der Touristenmassen wird auf die prunkvollen Zimmer, Säle, Flure, Türen und Öfen, verziert mit Gold, Silber, Edelsteinen, edelsten Hölzern und Stoffen gelenkt. Was fehlt, ist die Information: Bezahlt wurde dies alles durch die brutale Ausbeutung des russischen Volks.

Die Gechütze des Kreuzers „Aurora“ gaben das Signal für die Revolution. (Foto: Андрей Колычев / wikipedia / CC BY 3.0)

Letzte Ruhestätte für Revolutionäre
Nein, es war keine unblutige Revolution im Jahr 1917. Bereits während der Februarrevolution hatten die zaristischen Schergen hunderte Arbeiter erschossen und verwundet. Am 4. April 1917 zog unter dem Klang von Trauermärschen eine riesige Menschenmenge zum Marsfeld, um dort 180 gefallene Genossen zur letzten Ruhe zu betten. Einen Tag später legten die Arbeiter Petrograds den Grundstein für ein Mahnmal. Der Platz war in den Monaten bis zum November immer wieder Schauplatz großer Kundgebungen und Demonstrationen. Auch danach wurde der Platz dafür genutzt. Etwas mehr als zwei Jahre später, wenige Tage, nachdem die Nachricht von Lenins Tod am 21. Januar 1924 die Stadt erreichte und der Beschluss gefasst wurde, Petrograd in Leningrad umzubenennen, brannten auf dem Marsfeld 53 Feuer nach der Zahl der Lebensjahre Lenins. Das Marsfeld ist bis heute eine der bedeutendsten Erinnerungsstätten an die Revolutionäre von 1917. Zugleich ist es eine der wichtigsten Gedenkstätten an den Sieg über den Faschismus. Mitten auf dem Platz brennt eine Ewige Flamme. Ein großer Granitblock trägt die Inschrift: „Eure Aussaat lässt eine Ernte reifen für alle, die die Erde bewohnen. 1917 und 1918 schrieben tragische, aber helle Jahre großen Ruhm in die Annalen Russlands.“ Mehrere einfache Marmorplatten nennen die Heldenstädte, wie zum Beispiel Odessa und Smolensk. An den Ecken eines Vierecks wehen die roten Fahnen.

Die Villa Kschessinskaja
Wenige Wochen vor Lenins Rückkehr aus Finnland besetzten revolutionäre bolschewistische Soldaten das Gebäude und tauschten die repräsentativen Möbel der Mätresse von Zar Nikolaus II, Matilda Kschessinskaja, gegen einfache Stühle und Schreibtische aus. Nach seiner Ankunft am Finnischen Bahnhof wurde Lenin in einem Panzerwagen zur Villa gefahren. Dort traf er sich mit Genossen und hielt vom Balkon eine lange Rede vor tausenden Menschen. Ende 1919 wurde in dem Gebäude ein „Museum der Großen Sozialistischen Oktoberevolution“ eingerichtet. Nach der Konterrevolution wurden viele der Ausstellungsstücke in Magazine verbannt und stattdessen Ausstellungen über verschiedene Themen der „neuen Zeit“ veranstaltet. „Im einstigen ‚Museum der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution‘ weht heute ein anderer Wind: Offen und unvoreingenommen wird hier die politische Geschichte des Landes im 20. Jahrhundert dargestellt“, heißt es bezeichnend in einem Internet-Reiseführer „aus der neuen Zeit“. Geblieben ist immerhin eine Rekonstruktion des Arbeitszimmers Lenins.

Das Haus der Sowjets
Am Moskowski-Prospekt befindet sich ein eindrucksvolles Gebäude, erbaut zwischen 1936 und 1941 in der Architektur des sozialistischen Klassizismus. Am Dachfries finden sich in Stein gehauene Gruppen von Proletarierinnen und Proletariern, über ihnen Hammer und Sichel. Auf dem großen Platz vor dem Gebäude steht eine überlebensgroße Statue von Lenin. In dem siebengeschossigen Haus arbeiten heute Teile der Stadtverwaltung. Der Moskowski-Prospekt war eine der eindrucksvollsten Straßen Leningrads. Sie führt über 10 Kilometer kerzengerade aus Richtung Moskau zu den ehemaligen Zarenpalästen. Ursprünglich war diese Straße nur für die Mitglieder der Zarenfamilie freigegeben.

Unweit davon gelangt man zum wohl bedrückendsten Bauwerk der Stadt, das an die dunkelsten Seiten seiner Geschichte, die Belagerung durch die faschistische deutsche Wehrmacht erinnert.

Das Mahnmal für die hero­ischen Verteidiger Leningrads
Es wurde am 9. Mai 1975 zum 30. Jahrestag des Sieges über den Faschismus enthüllt. Diese finstersten Tage Leningrads lagen zwischen dem 8. September 1941 und dem 27. Januar 1944. Die deutschen Truppen wollten die Stadt aushungern und dem Boden gleich machen. Vom 8. September 1941 an wurde Leningrad massiv bombardiert. Der Terror der deutschen Luftwaffe und Artillerie galt vor allem den Lebensmittellagern, den Wasser- und Elektrizitätswerken, Schulen, Krankenhäusern und Entbindungsheimen. Über eine Million Menschen fanden durch die Angriffe und die Folgen der Belagerung, Hunger, fehlende Medizin und Frost den Tod. 900 Tage dauerte die Belagerung der Stadt, bis die Rote Armee den verbrecherischen Ring sprengen konnte.

Die Schauseite des Mahnmals ist nach Süden ausgerichtet, dort, wo die Faschisten ihre Stellungen bezogen hatten. Eine breite Treppe führt zu einem ovalen Platz mit riesigen Steinblöcken, auf denen die Verteidiger zu sehen sind: Einzelne Kämpfer, Gruppen von Kämpfern, Werktätige, Frauen, Männer, ein Liebespaar. Trotz Sonne heben sie sich wie schwarze Schatten gegen den Himmel ab. In der Mitte des ringförmigen Mauerwerks zeigt eine Statue das Leiden und Sterben der Opfer. Man hört leise Musik. Bei unserem Besuch war es die Leningrader Symphonie von Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch. Die beiden ersten Sätze komponierte er in der belagerten Stadt, in der auch eine der ersten Aufführungen mit einem unter schwierigsten Bedingungen zusammengesetzten Orchester stattfand. Die Stimmung an diesem Platz ist beklemmend. Der Ausgang führt durch eine Bresche in der Mauer. Gebrochene Steine veranschaulichen eindrücklich, wie der Ring gesprengt wurde. Rechts und links des Durchbruchs steht in riesigen goldenen Lettern: 900 Tage – 900 Nächte.

Denkmal für die heldenhaften Verteidiger von Leningrad (Foto: Keith Ruffles / Wikipedia / CC BY 3.0)

Die versteckten Erinnerungen an die Revolution
Man muss die Augen offenhalten in dieser Stadt und dann entdeckt man auch die „verborgenen“ Erinnerungen an Lenin und die Proleten, die für die Revolution gekämpft haben und gestorben sind. Eines dieser Zeitzeugnisse befindet sich in der Metrostation Ploschtschad Wosstanija (in der Nähe des Moskauer Bahnhofs) Es ist ein kunstvoll gestaltetes Relief von Lenin, auf einem Panzer stehend und zu den Massen der Arbeiter und Soldaten sprechend. Ein anderes, eine schlichte Steintafel, befindet sich an einem Gebäude mitten im zentralen Viertel. Sie informiert, dass „hier im ehemaligen Patronenwerk ‚Altes Arsenal‘ von 1895–1896 Michail Iwanowitsch Kalinin arbeitete.“ Er wurde 1917 Vorsitzender des Petrograder Sowjets und war von 1923 bis 1946 Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets. (Die Datumsangaben beziehen sich auf den gregorianischen Kalender. Dieser hat gegenüber dem julianischen Kalender einen Vorlauf von 12 Tagen.)

Die Reiseführerin, nennen wir sie Elena, erwähnt während ihrer Führungen durch die Ermitage (das Winterpalais) an der erwähnten kleinen unscheinbaren Treppe, was dort vor 102 Jahren in Petrograd passierte. „Hier stürmten 1917 die aufständischen Matrosen das Winterpalais. Es ist ein Teil der Geschichte meiner Stadt und ich lasse es mir nicht nehmen, darauf hinzuweisen.“

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"Die Stadt, die Lenins Namen trug", UZ vom 17. Januar 2020



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