Die Epstein-Akten. Ein Blick auf Trumps Establishment-Freunde

Feine Gesellschaft

Kolumne

Am 30. Januar gab das US-Justizministerium 3 Millionen der rund 6 Millionen aufbewahrten Epstein-Akten frei. Ein im November 2025 unter öffentlichem Druck beschlossenes Gesetz erzwang das. Die Akten umfassen Dokumente, Fotos, Videos und den E-Mail-Verkehr der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell sowie Unterlagen aus den Ermittlungen von Polizei und Justiz. Viele Passagen und Namen sind eingeschwärzt. Dennoch ist ein Blick möglich auf Netzwerke, Freundschaften und Kontakte unterschiedlicher Intensität, unter Milliardären, Financiers, Politikern, Stars, Angehörigen von Königshäusern, in der allerhöchsten High Society.

Epstein und einige Gäste seiner Insel und seines New Yorker Appartements prahlen in E-Mails mit Straftaten wie Kindesmissbrauch, Vergewaltigung, Mädchenhandel, Folter und Mord. Die Auswertung des Aktenpakets ist noch im Gange. Trump spielt die Akten als „Hoax“ herunter und beschimpft die Republikaner Marjorie Taylor Green und Thomas Massie, die auf Veröffentlichung drängten. Bill und Hillary Clinton, Donald und Melanie Trump, Bill Gates, Jeff Bezos, Larry Summers, Steve Bannon, Howard Lutnick gehörten zu Epsteins Gästen. Dass die US-Justiz bisher keine weiteren Ermittlungsverfahren plant, empört viele US-Bürger, auch Trump-Wähler.

Der Skandal betrifft auch europäische Eliten, darunter die Königshäuser Norwegens und Britanniens. Prinz Andrew, den Bruder von König Charles, belasten die Akten schwer. Den Jahrzehntelang einflussreichen Strippenzieher in der britischen und europäischen Politik Peter Mandelson brachten sie zu Fall. Mandelson war Spin-Doctor und Wahlkampfmanager Tony Blairs, Mitglied mehrerer britischer Regierungen und der EU-Kommission. Er gilt als Architekt von „New Labour“, der Umwandlung der Labour Party in eine neoliberale Partei. Als Mitautor des Schröder-Blair-Papiers von 1999 trug er zur neoliberalen „Agenda 2010“ von SPD und Grünen in der BRD bei.

Beate Landefeld
Beate Landefeld

Der 2008 zum Lord ernannte Mandelson wirkte 2017 am Sturz des Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn und seiner Ersetzung durch Keir Starmer mit. Im April 2025 machte Starmer ihn zum britischen Botschafter in den USA, trotz Korruptionsaffären und Mandelsons Freundschaft mit dem 2008 und 2019 verurteilten Epstein. Inzwischen wird gegen Mandelson wegen Geheimnisverrats ermittelt. Er trat von allen Ämtern zurück. Auch Starmers Tage gelten als gezählt. Er zeigt mehr Einsatz für die Ukraine als für die britische Innenpolitik. Daher sein Spitzname: „Never here Keir“.

Der kanadische Premier Carney nahm in seiner Rede in Davos 2026 Abschied von der „Fiktion der regelbasierten Ordnung“. Da Trump mit Überfällen und Erpressungen den Imperialismus offen zur Schau trägt, ist dieses Narrativ verbraucht. Passend dazu zeigen die Epstein-Akten das Ausmaß von Selbstherrlichkeit, Massenverachtung, Amoral, Zynismus und Dekadenz der herrschenden Klassen, von Milliardären, korrumpierten politischen Eliten (darunter mehrere US-Präsidenten), perversen Mitgliedern des Hochadels und Stars und Akademikern als schmückendem Beiwerk.

Die hohe Zeit des Epstein-Netzwerks fällt in die Periode des „unipolaren Moments“, die Zeit der neoliberalen Globalisierung, des Übermuts der Gewinner im Kalten Krieg und der Umverteilung von unten nach oben. Seit der Dauerkrise 2020 reicht der Neoliberalismus nicht mehr, um die Kräfteverschiebungen in der Welt, den Aufstieg des Globalen Südens, aufzuhalten. Die reichen Länder setzen auf Militarisierung und reaktionäre Formierung.

Die Rechtspopulisten kombinieren die Beschimpfung des neoliberalen Establishments mit Rassismus, um die Reichen aus dem Schussfeld der Kritik zu bringen. Trump gewann damit seine Wahlkämpfe. Die Epstein-Akten zeigen Trump unter seinen Freunden, den Milliardären, als „Fleisch von ihrem Fleische“.

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"Feine Gesellschaft", UZ vom 13. Februar 2026



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