Online-Konferenz berät über Herausforderungen für Frieden und Umwelt

Für einen nachhaltigen Frieden

Die Naturwissenschaftler-Initiative (NatWiss) „Verantwortung für Frieden und Zukunftssicherheit“ veranstaltete am 27. und 28. November zusammen mit dem Bremer Friedensforum und dem „Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung“ (FifF) einen Online-Kongress zum Thema „Herausforderungen für Frieden und Umwelt“.

Der Kongress startete am Freitagabend mit drei Vorträgen. Den Anfang machte die ehemalige Präsidentin der Universität Göttingen und Professorin für Biogeochemie in Hamburg, Ulrike Beisiegel. Sie sprach über die Verantwortung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gegenüber der Gesellschaft. Sie müssten sich aktiv in die Diskussion und in die Bewegung für Frieden und Umwelt einbringen. Es folgte ein Beitrag des Naturfreunde-Vorsitzenden Michael Müller, der zwischen 2005 und 2009 Staatssekretär im Bundesumweltministerium war. Er sprach zum Thema „Aufrüstung und Erderwärmung“. Beides könnte man als Gefahr des potenziellen Selbstmords der Menschheit betrachten. Müller wies darauf hin, dass es aus diesem Grund bereits in den 80er Jahren einen Schulterschluss zwischen Friedens- und Anti-Atom-Bewegung gegeben habe. Auch heute sei es die Aufgabe der Friedensbewegung, mit der Klima- und Umweltbewegung Verbindungen zu knüpfen, da die Fokussierung auf die ökonomische Wertschöpfung heute zu einer ökologischen Wertzerstörung führe. Zum Abschluss des ersten Tages der Konferenz sprach der ehemalige Ko-Präsident des „Club of Rome“, Ernst Ulrich von Weizsäcker, über die Herausforderung der „großen Transformation“, die notwendig sei, um die Wirtschaft an die stattfindenden Veränderungen anzupassen und gleichzeitig die Umwelt als Lebensgrundlage der Menschen zu erhalten. Er wies darauf hin, dass es nicht nur um Deutschland mit seiner eurozentrischen Sichtweise gehe, sondern dass es einen internationalen Blick brauche, auch wenn der Prozess vor Ort zu beginnen müsse. Die darauffolgende Diskussion wurde bestimmt von der Einsicht, dass es international notwendig sei, den Konflikt zwischen China und den USA friedlich zu lösen.

Am Samstag, dem zweiten Tag der Konferenz, befassten sich als Erste Anne Schnerrer und Hans-Jörg Kreowski von der FIfF mit der Digitalisierung. Zum einen nehme die Gefahr eines sogenannten „Cyberwar“, eines digitalen Krieges, immer weiter zu. IT-Systeme werden immer häufiger als Waffen eingesetzt. Zum anderen stehe die Frage im Raum, ob die neuen Technologien umweltschonend und nachhaltig produziert und betrieben werden können. Die Vertreter der FIfF waren sich einig, dass es gehen würde, wenn nicht der Profitlogik folgend, sondern nach Nützlichkeit produziert werden würde. Eine interessante Initiative, die Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu verbinden versuche, sei „Bits und Bäume“.

Anschließend setzte sich Ulrike Konfeld-Goharani, Ozeanographin an der Universität Kiel, damit auseinander, dass es keinen Frieden mit der Natur gibt. Die Natur sei auf der einen Seite durch Atomwaffen und Uranmunition (sogenannte DU-Munition) bedroht. Auf der anderen Seite bedrohe der Mensch und sein Handeln, wie beim menschengemachten Klimawandel, die Natur. Konfeld-Goharani gab einen Überblick über die internationalen Abkommen, die den Krieg einschränken sollen. Zudem gebe es seit Mitte der 1970er Jahre viele Abkommen, die die Umwelt schützen sollen, die zu den Klimagipfeln, aber auch zur Gründung des Weltklimarates IPCC geführt hätten.

Jürgen Scheffran, Professor für Integrative Geographie an der Universität Hamburg und Mitglied bei NatWiss, stellte den Klimawandel dar als Kriegsgefahr, aber auch als Chance für Kooperation. Dabei stehe die Wachstumsorientierung des heutigen Wirtschaftssystems im Zusammenhang mit der fortschreitenden Zerstörung der Umwelt. Zum Abschluss der Vorträge sprach Charly Braun vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) über Abrüstung und Konversion als Alternative zu Aufrüstung und Militarismus.

Nach den Vorträgen gab es eine Gesprächsrunde mit Jürgen Altmann (TU Dortmund), Sibylle Brosius (NatWiss), Wolfgang Neef (TU Berlin) und Karl-Heinz Peil (Friedens- und Zukunftswerkstatt) zu „Wissenschaft zwischen Krieg und Frieden“. Die Diskussion zeigte verschiedene wissenschaftlich fundierte Konfliktpunkte auf, die Anknüpfungspunkte für politische Auseinandersetzung der Friedens- und der Umweltbewegung seien können. Im abschließenden Plenum zu „Ohne Friedensbewegung keinen Frieden – mehr Aktionen und Vernetzung als Voraussetzung für globalen Frieden“ sprachen Reiner Braun (Internationales Ständiges Friedensbüro, NatWiss), Martina Fischer (Brot für die Welt), Barbara Heller (Bremer Friedensforum) und die Bundestagsabgeordnete Kathrin Vogler (Partei „Die Linke“) darüber, dass die Diskussion zwischen Wissenschaft und Friedens- und Umweltbewegung noch intensiviert werden muss, damit die Bewegungen schlagkräftiger werden können.

Da Corona-bedingt der Kongress als Webinar stattfinden musste, können alle Beiträge auf der Homepage von NatWiss (www.natwiss.de) nachgelesen werden. Mit 150 Teilnehmern war der Kongress gut besucht. Im Chat des Webinars entstanden zudem spannende Diskussionen und Fragen.

✘ Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe (at) unsere-zeit.de)

"Für einen nachhaltigen Frieden", UZ vom 11. Dezember 2020



    Bitte beweise, dass du kein Spambot bist und wähle das Symbol Herz aus.

    Vorherige

    Anders, aber auch schön

    Bürokraten-Antifa

    Nächste