Der US-Angriff auf Venezuela und Maduros Kidnapping lösen Abscheu und Wut aus. Nicht bei allen Staatsoberhäuptern und EU-Eliten. Einige leisten seit Jahren Beihilfe zum Regime Change in Venezuela – zuletzt mit dem Friedensnobelpreis – und verbergen ihre Freude nur mühsam. Flugs basteln die Medien Narrative, um das offizielle Feindbild von EU und NATO zu bestärken. „Die Putinisierung der US-Außenpolitik ist in Venezuela angekommen“, titelt der britische „Guardian“. Frau Navidi meint auf ntv: Der Caracas-Angriff „war sicher mit Putin abgesprochen.“ (3. Januar 2026) Real gibt es keine Neuaufteilung der Welt durch rivalisierende Imperialismen wie vor 1914. Die „Weltunordnung“ geht heute vom absteigenden US-Imperialismus aus, der seine Macht mit Gewalt konsolidieren will.
Die neue US-Sicherheitsstrategie will eine Neuauflage der Monroe-Doktrin von 1823, wonach die „Western Hemisphere“ (Nord- und Lateinamerika, Grönland) Hinterland der USA sei. Die europäischen Juniorpartner sollen mehr Rüstungskosten tragen. Die USA wollen sich auf ihren Hauptkonkurrenten China konzentrieren. Mit Russland wollen die USA stabile Beziehungen. Im Vergleich zur Neocon-Strategie, die während des unipolaren Moments (1991 – 2008) in der US-Außenpolitik dominant wurde, wollen die USA nicht mehr überall „liberale Demokratien“ einführen, sondern die Zersplitterung ihrer Kräfte vermeiden. Das zeugt von mehr Realismus, ist aber auch eine Drohung für die Völker der „Western Hemisphere“.
Ende 2025 enthüllte die „New York Times“, die CIA habe, parallel zu den laufenden Gesprächen über Frieden in der Ukraine, insgeheim Kiew geholfen, den „Energiekrieg“ gegen Raffinerien und Öldepots in Russland zu eskalieren. Die CIA lieferte auch Zielvorgaben für Angriffe der ukrainischen Armee auf russische Handelsschiffe im Schwarzen Meer, im Mittelmeer und vor der Küste Westafrikas. Trump gab CIA-Direktor Ratcliffe grünes Licht. Drohnenangriffe auf Putins Residenz in Waldai stritt Ratcliffe ab, gab aber den Beschuss „militärischer Ziele“ in der Gegend zu. Der NYT-Artikel erklärt die Doppelgleisigkeit von Trumps Ukrainepolitik mit einer Spaltung in der US-Administration und im Pentagon.
Eine Gruppe um Ratcliffe und den bisherigen Ukraine-Sonderbeauftragten General Kellogg verlange mehr Druck auf Russland und mehr Waffen für die Ukraine. Die Knappheit in den US-Waffenarsenalen setzt den Wünschen der Kriegsverlängerer Grenzen, wie auch die Kontraproduktivität der meisten Sanktionen. Die zweite Gruppe um Vizepräsident Vance wolle möglichst schnell aus dem Ukraine-Krieg aussteigen, um sich auf Asien zu konzentrieren. Beide Gruppen kommen in Trumps Außenpolitik abwechselnd zum Zuge. Schlechte Umfragen und der Wahlkampf für die US-Halbzeitwahlen 2026 werden Trumps Unberechenbarkeit steigern.
Der Militäranalytiker Brian Berletic warnt vor Illusionen über die gegenwärtigen Kräfteverhältnisse: Die USA seien „immer noch die größte Bedrohung auf dem Planeten“ und der Kampf zwischen US-Hegemonie und „Multipolarismus“ sei längst nicht entschieden. Venezuelas Verbündete Russland, China und Iran seien durch ihre eigene Verteidigung absorbiert und nicht fähig, Venezuela zu helfen. Berletic zufolge wird sich die Lage noch verschlimmern, bevor die multipolare Welt stark genug werde, die USA einzuhegen. Soweit es die militärischen Kräfteverhältnisse betrifft, ist das wohl so. Keine Macht außer den USA verfügt über fast 1.000 Militärstützpunkte. Auf ökonomischem Feld können sich China und Russland durchaus behaupten.
Zentral sind letztlich die inneren Kräfteverhältnisse in jedem einzelnen Land. Sozialer Fortschritt entsteht nur im Klassenkampf gegen die „eigenen“ Milliardäre, Oligarchen und Kompradoren. Würde sich in Venezuela ein Marionettenregime Trumps etablieren, wäre das national wie international eine bittere Niederlage.


