Zu „Ade, mein Land Tirol“, UZ vom 3. April

Hofer, ein „ignoranter Bauer“

Jürgen Schuh, Düsseldorf

Der Sympathie erheischende Nachruf auf den Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer erfordert eine Ergänzung. Dass Hofer, von Kaiser Franz II. zum „Oberkommandanten“ ernannt, auf der Hofburg in Wien residierte, ist bekannt. Dass dieser Kaiser Franz II. dann Tirol und auch Hofer an die Franzosen und auch noch seine Tochter Marie-Louise als Beigabe an Napoleon verhökerte, wird nicht sichtbar.

Was aber schon am 8. Oktober 1845 Friedrich Engels als Korrespondent des „Northern Star“ dazu schrieb, wird der geschätzten Aufmerksamkeit des Autors entgangen sein:

„Immer, wenn in englischen demokratischen Versammlungen ein Trinkspruch ausgebracht wird auf die ‚Patrioten aller Länder‘, ist gewiss Andreas Hofer unter ihnen. Nun, nach allem, was ich über die Feinde Napoleons in Deutschland gesagt habe, ist Hofers Name wert, von Demokraten mit Hochrufen begrüßt zu werden? Hofer war ein stupider, ignoranter, bigotter, fanatischer Bauer, dessen Enthusiasmus der Enthusiasmus der Vendéer, der Enthusiasmus von ‚Kirche und Kaiser‘ war. Er kämpfte tapfer – aber das taten auch die Vendéer gegen die Republikaner. Er kämpfte für den väterlichen Despotismus Wiens und Roms. Demokraten Englands, um der Ehre des deutschen Volkes willen lasst den bigotten Andreas Hofer künftig außer Betracht. Deutschland hat bessere Patrioten als ihn.“ (MEW, Band 2)

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"Hofer, ein „ignoranter Bauer“", UZ vom 24. April 2020



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