Über das Nörgeln der deutschen Medien nach Trumps Besuch in China

Kein MAGA in Peking

Am vergangenen Freitag verließ Donald Trump Peking nach seinem zweiten Besuch als US-Präsident. Am Dienstag reiste Wladimir Putin zum 25. Mal nach China, mit Xi Jinping traf er sich an die 40 mal. Trump kam als geschlagener Abenteurer im Zoll- und Handelskrieg gegen die Volksrepublik, dem die antichinesischen Falken in Washington im Nacken sitzen. Er kam als vorläufiger Verlierer seines Angriffs auf den Iran und als möglicher Verursacher einer schweren Weltwirtschaftskrise. Bei den Kongresswahlen im November erwarten ihn nach jetzigem Stand Verluste. Eine lahme Ente. Gegenüber Reportern räumte er ein, über Zölle sei nicht gesprochen worden. Vor einem Jahr wollte er China noch mit 145 Prozent Strafzoll belegen. Peking konterte und im Herbst 2025 erzwang Xi beim Treffen in Busan einen Waffenstillstand. Diesmal sprach er auch öffentlich Klartext. Er nannte den Iran-Krieg einen „Fehler“, trat für die Öffnung der Straße von Hormus ohne Maut ein, warnte vor der Fortsetzung des Wirtschaftskrieges gegen sein Land und davor, sich in der Taiwan-Frage unvorsichtig zu verhalten. Das könne zum Konflikt zwischen beiden Großmächten führen. Trump nahm’s hin und gab wenig über die Gespräche preis. MAGA – Make America Great Again – fand in Peking nicht statt, eher das Gegenteil.

Die Sprachrohre der deutschen Großbourgeoisie waren enttäuscht und wegen Taiwan sehr sauer. Die FAZ überschrieb am Sonntag einen Kommentar: „Auch in Asien ist kein Verlass auf Trump“, erhob den Umgang der USA mit Taiwan zur „Kernfrage der asiatischen Sicherheit“ und empörte sich, Trump habe „zwei Dinge gesagt, die man so noch von keinem US-Präsidenten gehört hat: zum einen, dass ein vom Kongress bereits genehmigtes Waffenpaket für Taiwan über 14 Milliarden Dollar Verhandlungsmasse in den Beziehungen mit Peking sei, und zum anderen, dass Taiwan doch sehr klein und sehr weit weg von den Vereinigten Staaten sei“. Xi bekomme damit womöglich „direkten Einfluss auf die Aufrüstung Taiwans“. Für ein deutsches Qualitätsmedium ist jede Form von Abrüstung schwerer Hochverrat, Trumps Ansagen gingen offenbar noch darüber hinaus. Das „Handelsblatt“ sah am Montag wachsende „Zweifel an der Zuverlässigkeit“ der USA in Sachen Taiwan. Und Trump setzt in seinem Lieblingssender „Fox News“ noch eins drauf: Er wolle nicht, dass jemand sagt: „Lasst uns unabhängig werden, weil die USA hinter uns stehen.“ Die „Rheinische Post“ verfälschte das zu „Trumps nächstes Eigentor in der Abschreckung“ und das Nachrichtenportal „t-online“ eiferte: „Trump zerstört Amerikas größtes Erbe“. Die meisten deutschen Bürgermedien gaben so Taiwan als Basis für den geplanten Krieg gegen China und Russland faktisch verloren.

Der Rest war lustloses Stochern in Trumps mageren Ergebnissen. Das bedeutete: Etwas kaschierter Neid auf Chinas Einkäufe in den USA (­Boeings und jährlich Agrarprodukte im Wert von 17 Milliarden US-Dollar), aber Schweigen zum Thema Künstliche Intelligenz (KI). Das US-Magazin „Time“ meinte, das sei nach dem Einsatz von KI durch USA und Israel im Irankrieg nun der „Elefant im Raum“ gewesen. Auch andere englischsprachige Medien berichteten, die Präsidenten hätten sich darauf geeinigt, KI stets unter staatlicher Kontrolle zu halten und nicht zu privatisieren. Bereits im ­November 2024 hatten sich Xi und der damalige US-Präsident Joe Biden bei einem Treffen in Peru darauf geeinigt, dass KI nicht im Zusammenhang mit Atomwaffen eingesetzt werden dürfe. Das könnte für Frieden entscheidend sein, der interessiert deutsche Bürgermedien aber nicht.

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"Kein MAGA in Peking", UZ vom 22. Mai 2026



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