Zum verschobenen US-Angriff auf den Iran

Déjà-vu am Golf

Wieder einmal planten die USA einen Angriff auf den Iran. Doch baten – wie US-Präsident Trump auf seinem Kanal „Truth Social“ erklärte – die Vertreter von Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, den Krieg aufzuschieben. Den nun „ernsthaften“ Verhandlungen solle mehr Zeit gegeben werden. Wieder einmal sollte der Angriff während laufender Verhandlungen beginnen. Der Austausch von Vorschlägen beider Seiten mit der Vermittlung durch Pakistan geht ja weiter. Überraschend wäre der Angriff für Iran dennoch nicht gewesen. Der US-Militäraufmarsch am Golf dauert bekanntlich an, Verstärkungen treffen ein.

Die Folgen eines möglichen Angriffs sind für alle offensichtlich: eine tiefe weltweite Wirtschaftskrise und der Niedergang der Monarchien am Golf. Der Iran hat weitere Möglichkeiten der Eskalation: Die Grundlagen des Geschäftsmodells der Golfstaaten, die Kommunikationskabel im Golf von Hormus, sind für ihn zum Greifen nah.

Aber von welchen „ernsthaften Verhandlungen“ ist die Rede? Die USA weigern sich bisher, Reparationen zu leisten. Sie weigern sich nach wie vor, iranische Gelder, die in den USA festgehalten werden, freizugeben. Und sie beharren immer wieder darauf, dass der Iran keine Atomwaffen erlangen dürfe.

Es ist ein Déjà-vu: Der Irak sollte 2003 „Massenvernichtungswaffen“ hergeben, die er nicht besaß. Der Iran soll auf Atomwaffen verzichten, die er nicht will. Das Land strebt nach eigenen Angaben wie nach den Erkenntnissen der US-amerikanischen Geheimdienste keine Atomwaffen an. Das mag sich womöglich nach einem dritten Überraschungsangriff innerhalb eines Jahres ändern. Doch die einzige reale Atommacht im Nahen Osten bleibt Israel.

Der Iran verlangt ein Ende aller Angriffe in der Region, auch im Libanon, wo die israelische Armee weiterhin versucht, den Süden des Landes zu besetzen. Die iranische Regierung will nicht länger zulassen, dass die USA und Israel beliebig die Region bombardieren können, ohne Folgen für sich befürchten zu müssen. Das macht die Verhandlungen so schwierig. Weder die USA noch Israel werden auf ihr „Vorrecht zu bombardieren“ verzichten, das von der EU und den Golfstaaten akzeptiert wird.

Es wird für Trump nicht leicht sein, einen Ausweg aus dem Krieg zu finden, den er selbst vom Zaun gebrochen hat. Vielleicht kann er am Ende die Schuld auf die Golfstaaten abwälzen.

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"Déjà-vu am Golf", UZ vom 22. Mai 2026



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