Zum 104. Katholikentag in Würzburg

Katholiken, kriegstüchtig

Klaus Hartmann

Am vergangenen Sonntag endete in Würzburg der fünftägige 104. Katholikentag, auch der Bundespräsident, die Bundestagspräsidentin und der Bundeskanzler gehörten zu den Wallfahrern. Merz holte sich sein nächstes Pfeifkonzert ab, nicht für seine Schuldenlüge oder den wahnwitzigen Hochrüstungskurs, sondern wegen „Klima“.

Man kann den Dienern Gottes nicht nachsagen, dass sie nicht mit der Zeit gehen. Sie veranstalteten einen „Queer-Gottesdienst“ und der „Ökumenische Arbeitskreis BDSM“ war mit einem Infostand präsent, um für seine „sadomasochistischen Sexualpräferenzen“ zu werben. „Gegen Hass und Hetze“ durfte auch nicht fehlen, außer es geht gegen Russland. Die „Vereinnahmung christlicher Motive durch rechte Ideologien“ war als Podiumsthema jedoch nicht selbstkritisch gemeint: Zwecks „Zeitenwende“ und Kriegsertüchtigung war Militarismus ein prominenter Teil des Programms.

Das Motto „Hab Mut, steh auf!“ prangte auch auf dem Werbeblatt der Katholischen Militärseelsorge, vor einem Soldaten im NATO-Tarnfleck mit Stahlhelm und Schutzweste. Zahlreiche Bundeswehrvertreter beglückten die Schäflein: Hauptmänner, Fähnriche, ein Brigadegeneral, der Bundeswehr-Generalinspekteur Breuer nebst vormaligem Vorsitzenden der Münchner Kriegskonferenz, Christoph Heusgen. Die frommen Militär-Seelenmasseure waren in ihrem Element und diskutierten über „nachhaltige Sicherheit“, „militärische Abschreckung“, „Weltraum – Ort militärischen Wettbewerbs“, „Soll ich das Land verteidigen?“, und ob das „Gesellschaftsjahr freiwillig oder verpflichtend“ sein soll. Passend am Himmelfahrtstag wurde zur Vorbereitung auf das nächste Himmelfahrtskommando beraten, wie man „mit Kindern über Krieg reden“ kann.

Breuer predigte mit Inbrunst von der „russischen Bedrohung“, Heusgen fand „unglaublich und bewundernswert“, was die Ukrainer leisteten. Der katholische Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck, wie alle Militärseelsorger aus dem Rüstungshaushalt bezahlt, bestätigte den Satz „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“, indem er „Ja zum Militärdienst für Männer und Frauen“ gelobte. Womöglich hat sich der Witzbold damit seine Mitwirkung am Programm „Kabarettistischer Katholikentagsrückblick“ gesichert.

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"Katholiken, kriegstüchtig", UZ vom 22. Mai 2026



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