Zu „Aufbruch – wohin?“, UZ vom 15. Mai

Hoffnung in die Jugend

Richard Jawurek, Markkleeberg

Kürzlich war anlässlich des 60. Jahrestags der Vereinigung von SPD/KPD auch in UZ das Bild des Handschlags von Otto Grotewohl mit Wilhelm ­Pieck zu sehen. Der Kontrast zu den jetzt permanent veröffentlichten Fotos von deutschen Politikern in und mit effektivem Tötungsgerät könnte nicht größer sein. Man scherzt und freut sich dabei noch über die Hochkonjunktur der Rüstungsindustrie. Selbst der 1961 aus dem Amt geschiedene US-Präsident Eisenhower warnte später vor dem Einfluss ihrer Lobbyisten auf politische Entscheidungen. Im Zweiten Weltkrieg gab es 60 Millionen Tote, allein 27 Millionen der ehemaligen So­wjet­union, aber sie waren schon, vor allem für uns Schulkinder, fast abstrakt.

Eindrücklicher, weil täglich sichtbar, wirkten Millionen von Kriegsversehrten denen unter anderem Gliedmaßen amputiert waren und die viele andere Gebrechen erleiden mussten. An diese Bilder der Vergangenheit wird heute ungern erinnert. Sie könnten die beworbene Akzeptanz der neuen deutschen „Verteidigungsfähigkeit“ beschädigen. Geschichtsvergessenheit scheint eine unerlässliche Voraussetzung zu sein, um bestimmte Ämter zu bekleiden, die die „neue germanische Verantwortung“ in der Welt (Ex-Präsident Gauck) präsentieren und organisieren sollen – zum Beispiel wieder Panzer mit dem Balkenkreuz im Baltikum an der Grenze zu Russland aufzufahren. Wer schert sich im Herrenvolk noch darum, dass es beim neuen/alten Gegner in kaum einer Familie keine Opfer gab? Eine sehr andere Schulbildung in Westdeutschland und die dortige flächendeckende Weiterverwendung alter Eliten des Dritten Reichs begünstigen den herrschenden Kriegswahn. Es bleibt die Hoffnung, dass die junge Generation in der Mehrheit zu dem Wahnwitz NEIN sagt!

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"Hoffnung in die Jugend", UZ vom 22. Mai 2026



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