Wie kann einem ein einzelner Mensch mit seinem Verhalten so sehr gegen den Strich gehen, dass man kurz davor ist, sich Claudia Roth zurückzuwünschen? Eigentlich gar nicht. Doch einer bemüht sich darum wie kein zweiter.
Was hat er nicht schon an unseren Nerven gezerrt. Von pornographisch angehauchter Pennälerlyrik mit Ekelfaktor bis zu einem 2018 erschienenen „Konservativem Manifest“ mag man mit seinen Veröffentlichungen nichts zu tun haben. Und mit seinen Kulturkämpfen schon mal gar nicht. Denn in deren Namen werden Festival-Intendantinnen gejagt, Buchhändler bespitzelt, verleumdet und um wohlverdiente Preise gebracht, Sonntagsarbeit für Bibliothekare gefordert, während Bibliotheken an der Unterfinanzierung der Kommunen verrecken. Auch ansonsten treibt dieser Mann lauter unangenehmen Schabernack im Auftrag des reaktionär-militaristischen Gesellschaftsumbaus und der deutschen Staatsräson. Nebenbei verdient er fein an seinen Kontakten zur obersten Riege der Kriegsgeneigten und der Vermittlung mit Gesprächen am Tegernsee. Obwohl – des Images wegen – die operativen Geschäfte gerade seiner Frau überlassen sind.
Wolfram Weimer, per offizieller Jobbezeichnung nicht Kulturkämpfer, sondern Kulturstaatsminister, hatte eigentlich mal angekündigt, er werde allerlei tun, um den „Schutz deutscher Kultur“ voranzubringen. Bei ihm hieß das, dem deutschen Film ein Comeback zu verschaffen, deutsche Verlage vor der Datenkrake und Urheberrechtsfeindin Google zu schützen und solche Sachen. Passiert ist davon nichts. Aber der Mann war ja auch beschäftigt im Namen der Staatsräson.
Nun findet in dieser Woche mal wieder das Ungetüm des „Eurovision Song Contests“ statt. Verschiedene Länder singen irgendwie gegeneinander an, Punkte werden verteilt, am Ende gewinnt einer. Israel darf traditionell mitmachen, liegt ja irgendwie in Europa. Deswegen machen viele Länder in diesem Jahr nicht mit. Irland zum Beispiel, Spanien und die Niederlande auch.
Das ist natürlich nicht zu ertragen für den Mann der Staatsräson. „Es ist kein Ort, wo politische Dinge in dieser Dimension eine Rolle spielen sollten“, verkündet Weimer. Er sei sehr froh, dass Israel singen dürfe, und fahre deshalb nach Wien. Welcher Beitrag auch sonst sollte das Interesse des deutschen Kulturstaatsministers wecken?


