Am Dienstag atmete die FAZ auf: „Tomahawk-Ersatz: Ukraine bietet Lieferung weitreichender Drohnen und Raketen an“. Die Zeitung zitierte die Botschafterin der Kiewer NATO-Mission, Aljona Getmantschuk, in Brüssel: „Wir sind in der Lage, die Fähigkeiten der NATO, Präzisionsschläge in der Tiefe durchzuführen, zu stärken und ab einem bestimmten Zeitpunkt auch die Fähigkeitslücken der Allianz zu schließen.“
Bereits am Montag hat Wladimir Selenski bei einem Besuch des deutschen Kriegsministers Boris Pistorius in Kiew erklärt, es gebe sechs Gemeinschaftsvorhaben bei der Rüstungsproduktion und das sei „nur der Anfang“. Pistorius war nach Kiew auf der Suche nach Ersatz für die „Tomahawk“ gekommen. Nach der Lieferabsage durch die USA hatte er routinemäßig eine „Fähigkeitslücke“ festgestellt und drei Richtungen für das Finden von Ersatz eingeschlagen: Erstens Kauf der Raketen, natürlich mir Preisaufschlag, direkt beim US-Hersteller. Die zweite Variante ist die Entwicklung von Raketen mit einer Reichweite von mehr als 2.000 Kilometern im Rahmen des ELSA-Projektes (European Long-Range Strike Approach). Dafür haben sich auf deutsche Initiative hin 2024 Frankreich, Italien, Polen, Schweden und das Vereinigte Königreich zusammengeschlossen. Erste Ergebnisse werden aber frühestens in einigen Jahren erwartet.
Erfolg verspricht vor allem die Kooperation mit Kiew. Bereits am 28. April – zwei Wochen nach dem Verkünden einer „strategischen Partnerschaft“ zwischen Berlin und Kiew – hatten Gespräche über Rüstungszusammenarbeit stattgefunden. Dabei hatte Pistorius die „unglaubliche Innovationsfähigkeit und Geschwindigkeit“ der Ukraine gerühmt. Teilnehmer Lars Klingbeil wurde mit dem Satz zitiert: „Wir sehen, dass die Ukraine Innovationstreiber geworden ist, beispielsweise in der Drohnenabwehr.“ Am Montag vereinbarte nun Pistorius in Kiew die gemeinsame Entwicklung und Produktion von Drohnen mit Reichweiten von bis zu 1.500 Kilometern. In den „Tagesthemen“ erläuterte „Fachmann“ Christian Mölling, die Drohnen seien zwar keine „Wunderwaffe“, weil keine konventionelle Waffe kriegsentscheidend sein könne, aber der Verbund, die digitale Vernetzung mit anderen Waffensystemen, sei ein „Gamechanger“. Das ist die zeitgenössische Vokabel für „Wunderwaffe“.
Wer den „Gamechanger“ hat, kann auch weiter auf Siegfrieden setzen. Unisono steigerten die Siegmedien vor dem 8. und 9. Mai ihre antirussische Hetze.

Den Höhepunkt der Empörung löste Wladimir Putin dann auf der Pressekonferenz nach der Parade zum Tag des Sieges über den deutschen Faschismus aus: „Von allen europäischen Politikern würde ich Gespräche mit Schröder bevorzugen.“ In Politik und Medien schäumte es. Der Russenfreund Schröder geht ja gar nicht. Alles nur ein Manöver, um Europa zu spalten. Putin wolle gar nicht verhandeln. Er sei schließlich der Aggressor und könnte jederzeit den Rückzug befehlen. Und natürlich müsse ein Vermittler von beiden Seiten akzeptiert sein. Deshalb schlug der estnische Außenminister die EU-Kompetenzen Kaja Kallas und Ursula von der Leyen vor. Damit die Tür bei Friedensverhandlungen für Europa auf jeden Fall verschlossen bleibt.
Die „strategische Partnerschaft“ zwischen Kiew und Berlin trägt so rasant Früchte: Die Hoffnung, den Krieg gegen Russland jahrelang weiterführen zu können, wächst. Und damit auch die Hoffnung der Enkel und Urenkel der deutschen Faschisten und ihrer Hilfstruppen, die Schmach vom Mai 1945 wettmachen zu können.


