Zu „Die Fehler der Regierenden“, UZ vom 22. Mai

Im Nachhinein klüger

Nico Biver, Marburg

Im Nachhinein ist man immer klüger. Das gilt nicht nur für die Bundesregierung, sondern auch für Lucas Zeise und die UZ. Dass die Bundesregierung die Krise unterschätzt hat, mag sein, aber anscheinend weniger als viele andere Staaten, wenn man sich die Opferzahlen anschaut. Rigorose Maßnahmen, wie sie im März ergriffen wurden, wären im Februar vermutlich auf breiten Protest gestoßen angesichts der wenigen Infektionen in Deutschland. Die ersten Todesfälle gab es erst am 9. März.

Die Kritik der Corona-Verharmloser auf den „Hygiene-Demos“ lautet ja nicht, dass zu spät, sondern dass überhaupt oder zu hart durchgegriffen wurde. Ich kann mich nicht erinnern, dass die UZ früher eine entschlossenere Reaktion auf die Pandemie gefordert hätte, obwohl sie auch wusste, dass die chinesischen Behörden „die Krankheit für gefährlich und höchst ansteckend halten“. Auch auf dem DKP-Parteitag (28.2./1.3.) war nichts dergleichen zu vernehmen, spielte das Thema überhaupt keine Rolle.

Im Nachhinein war es sicherlich ein Fehler, die Grenzen zu China (sowie zu Italien und Österreich, wo die meisten Erstinfizierten herkamen) nicht frühzeitig zu schließen. Aber wäre das damals auf die Zustimmung von Lucas Zeise gestoßen? Haben er, die UZ oder die DKP das gefordert? Am 21. Februar hat die UZ einen Kommentar aus Australien veröffentlicht, wo die „Corona-Massenhysterie“ und eine Einreisesperre für chinesische StaatsbürgerInnen kritisiert wurden. Was Gegenteiliges habe ich in der UZ nicht gelesen.

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"Im Nachhinein klüger", UZ vom 5. Juni 2020



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