Kapitalismusgemachte Probleme

Auf der PV-Tagung am 2. und 3. Oktober 2021 referierte Tina Sanders, Biologin und Leiterin der Kommission für Umweltpolitik beim Parteivorstand der DKP, zu aktuellen Entwicklungen in der Klimafrage und der Zerstörung der natürlichen Umwelt. Sie gab einen Bericht zum Stand der Arbeit der Kommission und schätzte die Politik der Herrschenden ein. Wir dokumentieren Auszüge des Referates, das redaktionell bearbeitet und gekürzt wurde. Die Langfassung gibt es in der Zusammenstellung von Referaten und Beschlüssen der 7. Tagung des DKP-Parteivorstandes im „DKP Intern“. Es ist im Mitgliederbereich von dkp.de abrufbar. Nachzulesen ist das Referat auch unter kurzelinks.de/dkp-umwelt Die Kommission für Umweltpolitik beim Parteivorstand der DKP ist zu erreichen über: umwelt@dkp.de

Der neueste Bericht des Weltklimarats (IPPC-Bericht) dient als Grundlage für die COP26-Konferenz, die UN-Klimakonferenz, die Ende des Monats in Glasgow stattfindet. Außerdem hat der UNFCCC (UN Climate Change Report) am 17. September 2021 einen Report im Vorfeld der UN-Vollversammlung zum Stand des Pariser Abkommens vorgestellt. Dieser macht deutlich, dass die Emissionen von Treibhausgasen nicht sinken wie weltweit verabredet, sondern um mehr als 16 Prozent zugenommen haben; bis 2100 wird eine Erderwärmung von 2,7°C erreicht. Im Pariser Abkommen, das mittlerweile von 189 der 197 Vertragsstaaten unterzeichnet ist, wurde hingegen vereinbart, die globale Erd­erwärmung auf deutlich unter 2 °C, am besten auf 1,5 °C bis zum Jahr 2100 zu begrenzen.

Das Ziel von 1,5 °C beziehungsweise 2 °C bezieht sich auf einen globalen Durchschnitt, regional können die Werte deutlich unterschiedlich ausfallen. Die Polregionen erwärmen sich deutlich schneller. Der Temperaturanstieg liegt dort heute bei 3,1 °C im Vergleich zum Jahr 1971.

In den letzten Jahren gab es vermehrt Berichte über Hitzewellen in der Arktis und in Sibirien. Diese Hitzewellen gehen einher mit Wald- und Moorbränden, die in Sibirien nur schwer zu löschen sind, auch wegen fehlender Infra­struktur in der Permafrostregion. Am Polarkreis in Jakutien wurde ein Hitzerekord von 38 °C im Sommer 2020 gemessen. Das hat vor allem katastrophale Auswirkungen auf die Infrastruktur in Jakutsk, der größten Stadt der russischen Perma­frostregion. Die Böden tauen tiefer auf und Häuser und Straßen werden zerstört oder unbenutzbar. Durch die Erwärmung der kontinentalen Permafrostregion taut auch immer schneller das arktische Meereis. Die Laptewsee, ein nördlich von Russland liegendes Randmeer des Nordpolarmeers – die „Eisfabrik“ des Arktischen Ozeans –, ist jetzt im Sommer komplett eisfrei. Das bedeutet hauptsächlich einen Verlust an mehrjährigem Meereis, was katastrophale Auswirkungen auf die Ökologie und das Nahrungsnetz im Arktischen Ozean und den Verlust von Biodiversität zur Folge hat.

Auch in Deutschland bekommen wir die erheblichen Auswirkungen der Erderwärmung zu spüren – zuletzt die Flutkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz, der mehr als 150 Menschen zum Opfer gefallen sind. Die Ursachen für die Katastrophe waren eine Kombination aus geänderten Umweltbedingungen und Unvermögen der Behörden.

Die „Tipping-Points“ oder „Kipppunkte“ sind kritische Bereiche für das Weltklima, dazu gehören zum Beispiel das Tauen der Permafrostböden, das Abtauen der Eisschilde in Grönland, der Antarktis und der Gletscher oder der Verlust von Urwäldern, etwa in der Amazonas-Region. Die „Kipppunkte“ haben mindestens zwei Besonderheiten: Zum einen sind die Forschungsarbeiten zu diesen Bereichen noch im vollen Gange, zum anderen werden wir mit einer hohen Wahrscheinlichkeit einen quantitativen Anstieg mit einem qualitativen Umschlag erleben. Was die endgültigen Auswirkungen dieses qualitativen Umschlags sind, ist nicht genau vorhersehbar.

Problematisch ist, dass die Maßnahmen gegen den Klimawandel vor allem am CO2-System ansetzen, anstatt die Probleme in ihrer Komplexität zu betrachten und entsprechende Lösungen zu finden. Es gibt zum Beispiel ein von der Bundesregierung finanziertes Programm, um die Alkalinät (Pufferkapazität) im Ozean zu erhöhen, damit dieser mehr CO2 speichern kann. Eine Idee ist es, Flüsse zu düngen und dadurch anaerobe Zonen entstehen zu lassen. Die Konsequenzen wären katastrophal und würden andere Umweltprobleme nach sich ziehen.

Umweltzerstörungen

Ich möchte auf zwei andere Probleme eingehen, die noch nicht den Weg in die breite Öffentlichkeit gefunden haben. Sie können auch zu Konflikten um die Verteilung von Ressourcen führen. Im Parteitagsbeschluss zur Ökologie haben wir festgehalten, dass es viele Umweltprobleme gibt, die durch die kapitalistische Produktionsweise und deren Ressourcenverschwendung entstanden sind. In vielen Bereichen werden die sogenannten „planetarischen Grenzen“ überschritten – wir verbrauchen zu viele Ressourcen. Auf das Jahr gerechnet sind sie in Europa meist schon im Juni verbraucht, Stichwort: „Erd-überlastungstag“.

Zur Landwirtschaft: Wir brauchen Dünger, um die Nahrungsmittelproduktion zu erhöhen. Ich möchte das Problem der Düngung mit Phosphor/Phosphat ansprechen. Das ist eine nicht „regenerierbare Ressource“, das heißt, sie muss als Bodenschatz abgebaut werden und kann nicht wie Kunstdünger industriell hergestellt werden. Sie kommt in Gesteins- und Sedimentablagerungen vor. Es wurde lange angenommen, dass die Vorkommen nur noch für 50 bis 100 Jahre reichen würden. Neueste Berechnungen gehen nun von bis zu 300 Jahren aus. Das hört sich nach Durchatmen an – allerdings liegen die Vorkommen vor allem in der VR China, in Chile und der Subsahara. Die neu gefundenen Vorkommen sind durch Schwermetallbelastung gekennzeichnet, zum Beispiel durch Quecksilber, Cadmium oder Uran. Es sind keine guten Aussichten, wenn damit der Boden gedüngt wird. Die Alternative zur Düngung wäre eine biologische Landwirtschaft, die einen Kreislauf des Phosphats ermöglichen würde.

Bei den „planetarischen Grenzen“ gibt es einen weiteren schwer einzuschätzenden Bereich: das Einbringen von Chemikalien und Plastik in die Umwelt. Diese haben Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen und die Biodiversität. Zu nennen sind hier die sogenannten POPs, persistente organische Schadstoffe, die zum Beispiel als Weichmacher oder Flammschutzmittel eingesetzt werden. Die POPs können sich in Gewebe anreichern, durch die Luft in der ganzen Welt verteilt werden, sind nicht biologisch abbaubar und lagern sich zu allem Überfluss an Mikroplastik an. Über die Nahrungskette landen sie dann auch wieder beim Menschen.

Die Stockholm-Konvention ist ein Abkommen darüber, welche Stoffe nicht in die Umwelt gelangen dürfen. Es dauert aber häufig Jahre, bis Substanzen auf diese Liste kommen und nicht mehr produziert werden. Aber selbst wenn eine Substanz verboten wird und unter die Stockholmer Konvention fällt, wird von den Konzernen einfach ein Fluor- oder Chloratom durch etwas anderes ersetzt – und dann braucht es wieder Jahre, bis auch diese Substanz auf die Verbotsliste gelangt.
Wenn unsere Grundposition ist, dass der Klimawandel mit seinen immensen Auswirkungen und weitere fatale Eingriffe der Menschheit in die Natur mit der aktuellen Wirtschaftspolitik und der kapitalistischen Produktionsweise zusammenhängen, muss das in unsere Politikentwicklung einfließen. Ich betone das an dieser Stelle noch einmal, weil mein Eindruck ist, dass diese Einschätzung nicht Konsens in der Partei ist. Obwohl diese Grundlagen bekannt und anerkannt sind, spielen sie in unserer Beurteilung und Entwicklung politischer Einschätzungen im besten Fall eine untergeordnete Rolle – meist aber gar keine. Natürlich basieren unsere Einschätzungen auf der Analyse der Klassenverhältnisse, aber es müssen eben auch andere Informationen und Fakten einfließen, um eine fundierte Position zu entwickeln.

Unterschiedliche Kapitalinteressen

In Bezug auf die Umweltproblematik gibt es zwei große Kapitalfraktionen, die wir genauer anschauen müssen. Die erste Fraktion würde ich den Monopolen der Energiewirtschaft und der konservativen Politikklientel zuordnen. Interessanterweise gab es Ende der 1970er-Jahre eine Studie des US-amerikanischen Ölkonzerns Exxon, die die wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels untersucht und Treib-hausgase als Hauptursache identifiziert hat. Darauf basierte die Gegenstrategie, nämlich die öffentliche Debatte zum Klimawandel zu beeinflussen und den menschlichen Einfluss zu leugnen. In Deutschland beziehungsweise Europa gehört zu diesem Spektrum das Institut EIKE (Europäisches Institut für Klima und Energie e.V.). Seine Aufgabe besteht nach eigener Aussage darin, „Klima- und Energiefakten ideologiefrei darzustellen, Kongresse auszurichten und Veröffentlichungen zur Klimaforschung zu verbreiten“. Ich verorte diesen Verein im Spektrum der „Klimaleugner“. Diese haben auch Überschneidungen und Verflechtungen zur Neuen Rechten und AfD und sind geprägt von Wissenschaftsfeindlichkeit.

Die Monopole und Konzerne der fossilen Energie werden ihre Interessen so lange weiter vorantreiben, wie sich mit dem Abbau und Verkauf von fossilen Energieträgern Profite erwirtschaften lassen. Die Politik der Großen Koalition stärkte diesen Monopolen den Rücken. Der Ausbau der „erneuerbaren Energien“ wurde eingeschränkt und Kohle weiter durch Subventionen unterstützt. Als Folge gab es bereits massiven Stellenabbau im Sektor der „erneuerbaren Energien“.
Die zweite Fraktion würde ich als Vertreter der neuen sozialen Marktwirtschaft und des Green Deal bezeichnen. Ihr Ziel ist eine Umstellung/Transformation der Wirtschaft von fossil auf digital und der Ausbau der „erneuerbaren Energien“, hauptsächlich auf dem Rücken der Arbeiterklasse. Hier gibt es eine deutliche Verknüpfung mit den Grünen, dem „progressiven“ Teil der FDP und dem SPD-Spektrum. Es besteht eine enge inhaltliche und personelle Zusammenarbeit und Überschneidung mit dem „Wissenschaftlichen Beirat“ der Bundesregierung. Dieses Spektrum will und erreicht eine Einflussnahme auf die Umweltbewegung und „Fridays for Future“.

Beide Richtungen der Kapitalinteressen müssen wir besser analysieren. Es ergibt keinen Sinn, eine Gruppe als „reaktionärste“ zu verteufeln und damit die andere nicht mehr anzugreifen. Wir brauchen eine Auseinandersetzung über die Einschätzung der agierenden Lager der Herrschenden, der Kapitalgruppen und politischen Spektren. Hier gibt es in der DKP unterschiedliche Einschätzungen und ich bin mir nicht sicher, ob es nur um Nuancen geht. Ich habe versucht zu verdeutlichen, dass es im Lager der Herrschenden im Umgang mit dem „Klimawandel“ zwei Gruppen gibt. Aus meiner Sicht müssen wir beide bekämpfen.

Unterschiedliche Einschätzungen

September 2021: Bekämpfung des „Dixie Fire“, des zweitgrößten Waldbrands seit Beginn der Aufzeichnungen in Kalifornien. (Foto: National Interagency Fire Center / Flickr /)

Es gibt andere Einschätzungen, zum Beispiel des Landevorstandes der DKP Brandenburg. Ich zitiere aus dem Referat des Landesvorsitzenden Männe Grüß: „Nur, es sind die Grünen, die in dieser Frage am weitesten vorpreschen und dabei mit ‚Fridays for Future‘ eine Vorfeldbewegung haben, die immer noch eine Schippe drauflegt, wenn es darum geht, in den Geldbeutel der arbeitenden Menschen zu greifen, um eine vermeintliche Klimakatastrophe zu verteidigen – alles im Namen ‚der Jungen‘. So ist bis heute bei FFF-Mobilisierungen die Forderung nach einer CO2-Abgabe von 100 Euro und mehr fester Bestandteil ihres Forderungskatalogs. (…) Bei der Bundestagswahl 2021 ist die Grüne Partei die reaktionärste Kraft, gegen die sich der Hauptstoß unserer antimonopolistischen, antifaschistischen und antiimperialistischen Agitation richten muss. Ich möchte dabei gleich zu Beginn betonen, um Missverständnissen vorzubeugen: Damit behaupte ich weder, dass es keine anderen reaktionären Kräfte gibt, und es versteht sich eigentlich von selbst, dass ich damit natürlich auch nicht meine, alle anderen Parteien – AfD, Unionsparteien, SPD und FDP – wären potenzielle antimonopolistische Bündnispartner. Ihre Wähler und mitunter auch Mitglieder können es schon sein.“ (Das Referat vom Mai 2021, das sich in erster Linie mit der Außenpolitik von Bündnis 90/Die Grünen befasst, lässt sich nachlesen unter: dkp.de/partei/referate-und-beschluesse)

Wo gehe ich bei der Einschätzung mit? Ja, die Grünen machen Politik im Interesse des Monopolkapitals, genauso wie die benannten anderen Parteien AfD, CDU/CSU, SPD und FDP. Ich gehe nicht mit darin, dass die Grünen die reaktionärste Kraft bei den Bundestagswahlen waren, und ich teile auch nicht die Auffassung, dass ihre Wähler und mitunter auch ihre Mitglieder keine potenziellen antimonopolistischen Bündnispartner sind.

Die Ansicht, dass FFF eine Vorfeldbewegung der Grünen ist, würde ich auch nicht so stehen lassen, denn dann wären sie nach dieser Einschätzung auf jeden Fall keine potenziellen antimonopolistischen Bündnispartner.

Zwei Punkte, warum ich da Zweifel habe: Die Klimastreikbewegung ist mehr als nur FFF. Das wird schon mal klar, wenn man die Forderungen von FFF mit dem Klimastreikaufruf für den 22. Oktober 2021 vergleicht, in dem es die Forderung nach einer CO2-Steuer nicht gibt. Wir müssen also auch zur Kenntnis nehmen, dass sich die Klimagerechtigkeitsbewegung in den letzten zwei Jahren weiterentwickelt hat.

Perspektiven für die Umweltpolitik

Im Wahlkampf ist es uns nicht gelungen, über die Losung „Nein zur CO2-Steuer“ hinauszukommen.

Das müssen wir in Zukunft ändern und in die Diskussion um unser Forderungsprogramm einbringen. Aber wir hängen mit unserem Auftrag, Positionen zur Umweltpolitik zu entwickeln, hinterher. Das hat mehrere Gründe:

  1. Die Grundpositionen sind nicht ausdiskutiert – es gibt keine breit in der Partei gesetzten Grundpositionen zu Klima- und Umweltfragen. Das wurde bei der Erarbeitung des Wahlprogramms deutlich. Das Umweltthema wird nicht mitgedacht, sondern wirkt in Teilen aufgesetzt. In der UZ spielt die Klima- und Umweltpolitik eine unterbelichtete Rolle. Das ist natürlich der angespannten Situation hinsichtlich fehlender kompetenter Autorinnen und Autoren geschuldet.
  2. Der Partei fällt es insgesamt schwer, eine offene, breit angelegte Diskussion um neu erarbeitete Inhalte zu führen.
  3. Die Umweltkommission und ihre Leitung sind mit der Aufgabe überlastet. Die Arbeit muss auf mehr Schultern verteilt werden – wir brauchen mehr Mitglieder in der Kommission.
  4. Umweltfragen und Forderungen müssen in anderen Politikfeldern mitgedacht werden. Hier braucht es Zusammenarbeit mit den anderen Kommissionen

Erarbeitet haben wir in der Umweltkommission bisher ein erstes Papier zu „Ökonomie und Klima“. Eine nicht abgeschlossene Diskussion dreht sich um die Frage Reform und Revolution. In welchem Maße ist der Kapitalismus in der Lage, sinnvolle und notwendige Maßnahmen zur Eindämmung der Umweltprobleme einzuleiten? Starker Druck auf der Straße kann die Herrschenden zum verbesserten Umweltschutz zwingen. Wir als DKP müssen diskutieren: An welchen Punkten bringen wir uns in Bewegungen ein, die um konkrete Maßnahmen kämpfen und diese auch potenziell durchsetzen können? Außerdem haben wir erste Überlegungen zum Thema Landwirtschaft/Nahrungsmittelproduktion diskutiert. Für wichtig halten wir es darüber hinaus, eine Grundposition zum Energiebereich zu entwickeln, der verknüpft ist mit der Mobilität (Stichwort: E-Auto).

Schlussfolgerungen

Die Diskussion um Umwelt- und Klimafragen muss in der Partei intensiviert und als Teil unserer Politikfelder verstanden werden, entsprechend dem Parteitagsbeschluss nicht als eigenständiges Kampffeld.

Die Umweltkommission muss verstärkt werden und braucht neue Mitstreiter, vor allem auch für die Erarbeitung von Grundlagen für den Energiesektor.
Die Klima- und Umweltfragen müssen aus einer Klassenposition heraus entwickelt werden. Die Fossile Kapitalfraktion und die Green-New-Deal-Fraktion sind zwei Seiten einer monokapitalistischen Bourgeoise. Der einen oder der anderen Seite auf den Leim zu gehen, hilft den Interessen der Arbeiterklasse nicht.


Die ökologische Krise und die Notwendigkeit einer antikapitalistischen Umweltpolitik

Auszug aus dem Beschluss des 23. Parteitags der DKP

Die kapitalistische Produktionsweise und deren nicht nachhaltige Entwicklung der Produktivkräfte haben dazu geführt, dass in vielen Bereichen der natürlichen Lebensbedingungen die Grenzen der Ressourcennutzung überschritten wurden. Das hat zu einem Überschreiten der planetarischen Grenzen geführt. Die sich dadurch entwickelnde ökologische Krise manifestiert sich in vielen Bereichen, wie zum Beispiel beim Verlust an Biodiversität, der Überdüngung von Böden und Meeren durch Landwirtschaft und Industrie, der rasanten Veränderung des Klimas, die zur Ausbreitung von Wüsten führt, und der Verschmutzung der Meere. Ein aktuell offensichtliches Problem der ökologischen Krise ist die steigende Erwärmung der Erdatmosphäre. Stetig steigende Temperaturen werden auf absehbare Zeit so starke Veränderungen der natürlichen Lebensgrundlagen bewirken, dass die aktuelle Produktion in bisheriger Weise nicht fortgeführt werden kann. Die Ursachen für den Anstieg von CO2 und anderer Treibhausgase in der Atmosphäre und der damit einhergehende Treibhauseffekt liegen im Wesentlichen in der kapitalistischen Produktionsweise. Zu den Ursachen zählen unter anderem die Förderung und Verbrennung fossiler Energieträger, die Herstellung und Anwendung von Kunstdünger, die Überproduktion an Gülle in der konventionellen Landwirtschaft und die Zerstörung global wichtiger Ökosysteme, einschließlich der Entwaldung großer Teile von Kontinenten. Diese Produktionsweise, die die natürlichen Lebensgrundlagen zerstört, ist perspektivisch nicht aufrechtzuerhalten.

Auch der rasante Anstieg von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid, Methan und Lachgas in der Atmosphäre ist in der kapitalistischen Produktionsweise begründet und kann nicht mehr ernsthaft bezweifelt werden. Der Anstieg des Meeresspiegels bei gleichzeitiger Versauerung und Verschmutzung der Meere, ein exponentielles Artensterben, auftauende Permafrostböden und Wetterextreme sind nur erste Erscheinungen einer bevorstehenden ökologischen Katastrophe. Als Folge der Umweltzerstörung sind starke Migrations- und Fluchtbewegungen ebenso zu erwarten wie der Zusammenbruch ganzer Nationalökonomien. Verteilungskämpfe, Kriege eingeschlossen, um Trinkwasser, Anbauflächen und andere Grundversorgungsmittel werden sich weltweit zuspitzen. Für die Menschheit folgenschwere Eingriffe in die Natur sind allgegenwärtig. Besonders betroffen sind Angehörige der Arbeiterklasse, Kleinbauern und völlig verarmte Bevölkerungsschichten, vor allem in den von den Imperialisten ausgebeuteten Ländern, aber auch innerhalb der imperialistischen Zentren. Die ökologische Krise bedeutet Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen und damit die Zerstörung der Grundlagen für Produktion und Konsumption, also der Produktionsbedingungen weltweit. Daraus ergibt sich eine Verschärfung der gesellschaftlichen Widersprüche. Unter diesem Aspekt ist die soziale Frage von den ökologischen Fragen nicht zu trennen.

Die Natur ist nicht nur Grundlage der menschlichen Existenz, sondern auch Bedingung zur Reproduktion der Arbeitskraft. Deshalb ist die ökologische Krise nur bedingt ein allgemein menschliches Problem, sondern ein Gebiet des Klassenkampfes. Die Kosten dafür sollen sie [die Kapitalisten] nicht selbst tragen müssen. Es gilt, die von der kapitalistischen Produktionsweise verursachten Folgen aufzuzeigen und damit den ökologischen und den antiimperialistischen Kampf als eine Einheit zu verstehen und zu führen. Das bedeutet aus marxistischer Sicht Klassenkampf.

Es gibt keine „marktwirtschaftliche Lösung“, um der beschleunigten Gefährdung und Zerstörung der ökologischen Grundlagen und damit der Lebensgrundlage der Menschheit auf diesem Planeten Einhalt zu gebieten. Durch das kapitalistische Profitstreben ist diese Produktionsweise unfähig, die Grundbedürfnisse der Menschheit zu befriedigen, und verursacht dabei die ökologischen Zerstörungen selbst. Der Einstieg in die gesamtgesellschaftliche Planung der Volkswirtschaft ist unabdingbar, dazu müssen die monopolkapitalistischen Eigentumsverhältnisse sofort eingeschränkt, die Monopole entflochten und vergesellschaftet werden. Das erfordert umfassende gesamtgesellschaftlich und ökologisch orientierte Gegenmaßnahmen in der gesamten Industrie, in der Agrar-, Wasser-, Bau-, Verkehrs- und Transportwirtschaft.

Die sogenannten Klimaschutzmaßnahmen der Bundesregierung sind ein Umverteilungsprogramm von unten nach oben, um die angebliche „grüne“ Modernisierung der Produktion zu finanzieren. Sie sind noch nicht einmal dazu geeignet, die Beschlüsse des Pariser Abkommens umzusetzen, geschweige denn die ökologische Krise aufzuhalten. Die jetzt eingeführte CO2-Bepreisung dient eben dieser Umverteilung. Als verbrauchsbezogene Steuer ist sie vor allem von der Arbeiterklasse zu zahlen. Sie ist eingebettet in ein Steuersystem in Deutschland, das die Kosten des Staates für die Allgemeinheit nicht durch Konzernbesteuerung, sondern durch Verbrauchssteuern finanzieren lässt. Die Forderung nach sinnvollen ökologischen Maßnahmen muss mit der Forderung nach Durchsetzung des Verursacherprinzips und nach einer Reichensteuer verbunden werden. Die Konzerne und Banken, deren Besitzer, Aktionäre, Finanziers und Nutznießer verantwortlich sind für die umweltschädliche Produktivkraftentwicklung, müssen gezwungen werden zu zahlen. Neue Massen- und Verbrauchssteuern wie eine CO2-Steuer sowie jede Art der CO2-Bepreisung für die Endverbraucher oder Konsumenten verdrehen das Verursacherprinzip. Die Geschädigten sollen die Kosten zahlen und nicht diejenigen, die die Produkte und Technologien herstellen und zum Einsatz bringen lassen. In Zukunft muss es darum gehen, dass in einem demokratischen Prozess entschieden wird, was und wie produziert wird, um die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen und gleichzeitig die Lebensgrundlagen zu erhalten. Diese Entscheidungen dürfen nicht länger in den Händen des Monopolkapitals liegen.

Die Beschlüsse des 23. Parteitages gibt es unter: dkp.de/partei/parteitage/23-parteitag/


UZ-Dokumentation

Die UZ-Dokumentation „Umwelt – eine akute Menschheitsfrage“ gibt Aufschluss über die aktuellen Diskussionen und Positionierungen in der DKP zur Ökologiefrage. Sie enthält die Einleitungsbeiträge einer Ökologiekonferenz der DKP.

  • Hans-Peter Brenners Schwerpunkt lag bei den Aussagen von Marx und Engels zum Verhältnis Mensch, Arbeit und Natur.
  • Tina Sanders, Biologin und Leiterin der Kommission für Umweltpolitik beim Parteivorstand der DKP, befasste sich mit dem Stand der wissenschaftlichen Forschung zum Klimawandel und den Ergebnissen dieser Forschung.
  • Kurt Baumann beleuchtete die Kapitalinteressen an und mit der Klimabewegung.
  • Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP, setzte sich mit der Frage nach dem Verhältnis unserer Partei zur Umweltbewegung auseinander.
  • Außerdem veröffentlichen wir einen Beitrag von Gerd Manecke, Arzt und Mitglied in der DKP-Umweltkommission, mit der Fragestellung „Klimawandel – Grün geht nur Rot!?“
  • Im Anhang befinden sich der beschlossene Ökologieantrag des 23. Parteitags vom März 2020 und die These 19 des Parteitags von 1986.

Erhältlich im UZ-Shop.

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"Kapitalismusgemachte Probleme", UZ vom 15. Oktober 2021



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