Zu „Arm und ausgegrenzt“, UZ vom 4. September

Keine strukturellen Zusammenhänge

Hans Schwabe, Stuttgart

Insgesamt trägt der Artikel Informationen in sich, die in „jeder“ Zeitung stehen könnten. Über den strukturellen Zusammenhang der Krise des Kapitalismus, der Agenda 2010 als Ausgrenzungspolitik, als Konkurrenzdifferenzierung zwischen Arbeitsplatzbesitzern, Prekärbeschäftigten und Hartz-IV- beziehungsweise Sozialhilfeempfängern leider kein Wort. Auch dass die Agenda 2010 weit mehr als nur Hartz IV verursacht hat – kein Wort. Die Betroffenen werden quasi traumatisiert, psychisch, soziokulturell und ökonomisch zu „Untermenschen“ degradiert. Hierzu kann die Marienthal-Studie von 1932 sehr gut Auskunft geben. Damit bleibt der Artikel im Ungefähren, im Beliebigen. Es wird der Paritätische genannt, der nachweislich sozialpartnerschaftlich innerhalb der Wohlfahrtsindustrie agiert und damit mithilft, den Artikel 20 des Grundgesetzes zu konterkarieren und so die soziale Verfasstheit der BRD aushebelt.

Finanzielle Verbesserungen für Hartz-IV-Empfänger einzufordern mag ein ein Fortschritt sein, ändert aber nichts am Grunddilemma. Es sind eben lediglich die typischen Inhalte, die die bürgerlichen Verbände auch als Selbstlegitimation immer und immer wieder propagieren. Doch es geht um wesentlich mehr. Neoliberalismus bedingt und erzeugt Ausgrenzung; Arme sollen und müssen systemisch bedingt ärmer werden, so wie der oberste 0,5 Prozent-Anteil der Bevölkerung immer reicher werden muss.

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"Keine strukturellen Zusammenhänge", UZ vom 18. September 2020



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