Über den Brand der FDJ-Jugendhochschule am Bogensee

Kulturvernichtung

Am Abend des 21. Januar bemerkten Zeugen, dass der Dachstuhl des Lektionsgebäudes der früheren FDJ-Jugendhochschule „Wilhelm Pieck“ am Bogensee nördlich von Berlin brannte. Etwa 80 Feuerwehrleute waren im Einsatz, konnten aber nicht verhindern, dass der Hörsaal mit 560 Plätzen, die Dolmetscheranlage und weiteres zerstört wurden. Die Kriminalpolizei ermittelt, Brandstiftung schließt sie nicht aus. Der Bürgermeister der Gemeinde Wandlitz, Oliver Borchert, sprach am 23. Januar laut „bernau-live.de“ von einem „historischen Verlust“. Das Feuer markiere „zwar eine Zäsur, aber keinesfalls das Ende für die Bemühungen um ein tragfähiges Nutzungskonzept“.

Seine Haltung ist repräsentativ für die Region. Nach 1990 schenkte die Treuhand das Gelände der Stadt Berlin, die sich kaum kümmerte und es seit den 2000er Jahren verfallen ließ. 2024 war von Abriss die Rede, obwohl das weder Gemeinde noch Landkreis akzeptierten. Verschiedene Initiativen hatten versucht, eine Kultur- und Bildungsstätte aufzubauen. Die platte Herrschaftsdemagogie von den „zwei Diktaturen“, die das Gelände „doppelt kontaminiert“ („FAZ“ vom 23. Januar, Überschrift „Warmer Abriss?“) hätten, nervt im Osten nur.

Von 1946 bis 1990 befand sich hier die FDJ-Jugendhochschule, die 1950 den Namen „Wilhelm Pieck“ erhielt. Sie war zunächst in der Villa untergebracht, die sich der Cheflügner der Nazis, Josef Goebbels, dort hatte bauen lassen. Ab 1951 entstanden die Lehr- und Wohngebäude im klassischen Stil jener Jahre – siehe manche großen Betriebskulturhäuser – nach einem Entwurf von Herbert Henselmann. Sie stehen unter Denkmalschutz. Die ab 1990 Herrschenden, erst recht die aus der „Frontstadt“, hinderte das nie an Kulturvernichtung im Osten.

Die Jugendhochschule war ein Weltzentrum für junge revolutionäre Marxisten aus fast 70 Ländern. Wer in Befreiungsbewegungen kämpfte, studierte ebenso wie künftige DDR-Kundschafter unter Pseudonym. Ab den 70er Jahren kamen Lehrgangsteilnehmer auch aus kapitalistischen Ländern, darunter aus der SDAJ. Insgesamt absolvierten geschätzt mehr als 20.000 Teilnehmer die Schule. Nicht wenige sind heute noch aktiv.

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"Kulturvernichtung", UZ vom 30. Januar 2026



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