Australische Kriegsverbrechen in Afghanistan aufgedeckt

Mord als Initiationsritus

Morning Star

Spezialeinheiten der australischen Armee werden verdächtigt, mindestens 39 Menschen in Afghanistan „unrechtmäßig“ getötet zu haben. Dies geht aus einem vergangene Woche veröffentlichten, lang erwarteten Bericht hervor, der die erschütternden Verbrechen an der Zivilbevölkerung beschreibt.

Angus Campbell, General der australischen Armee, sagte, dass Gefangene, Bauern und andere Zivilisten unter den Hingerichteten seien, und bot dem afghanischen Volk seine vorbehaltlose Entschuldigung für solche Verbrechen an. „Diese Feststellungen stellen die schwersten Verstöße gegen militärisches Verhalten und berufliche Werte dar“, so Campbell nach der Veröffentlichung des Berichts. „Die unrechtmäßige Tötung von Zivilisten und Gefangenen ist niemals akzeptabel.“
Die Untersuchung wurde 2016 eingeleitet, nachdem Berichte über die angebliche Tötung von unbewaffneten Männern und Kindern durch australische Truppen in der Presse erschienen waren.

Die Behörden bemühten sich, die mutmaßlichen Kriegsverbrechen zu vertuschen, und führten im vergangenen Jahr eine Razzia in den Büros der „Australian Broadcasting Company“ (ABC) durch, die Einzelheiten zu einigen der Anschuldigungen im Rahmen ihrer Serie „Afghan Files“ veröffentlicht hatte. Gegen eine Reihe von ABC-Journalisten und den Direktor des Senders wurden Strafverfahren eingeleitet, aber der Fall wurde im vergangenen Monat stillschweigend eingestellt.

Der jetzt veröffentlichte Bericht stellte fest, „dass es glaubwürdige Informationen zur Untermauerung von 23 Vorfällen gab, in denen 39 Menschen durch 25 Mitglieder australischer Spezialeinheiten, vorwiegend aus dem Special-Air-Service-Regiment, rechtswidrig getötet wurden“, bestätigte General Campbell in einer Presseerklärung.

Einige der Verantwortlichen sind noch immer im Militärdienst. Die Untersuchung empfahl, die 23 Vorfälle zur strafrechtlichen Untersuchung an die Polizei zu verweisen und stellte fest, dass es sich bei den rechtswidrigen Tötungen um „das Kriegsverbrechen des Mordes“ handeln würde, wenn es zu einer Gerichtsverhandlung käme, und bei zwei weiteren Vorfällen um „das Kriegsverbrechen der grausamen Behandlung“. In einem als „Blutvergießen“ bezeichneten widerwärtigen Initiationsritus wurden junge Soldaten gezwungen, Gefangene als Teil einer „ersten Tötung“ zu erschießen, und auf einige der Opfer wurden Waffen angelegt. Zu den weiteren Anschuldigungen gehört, dass ein Gefangener erschossen wurde, um Platz in einem Hubschrauber zu sparen, und dass ein sechsjähriges Kind bei einer Hausdurchsuchung getötet wurde.

Der australische Generalinspekteur der Verteidigungskräfte, James Gaynor, schrieb in einem Begleitbrief zum Bericht: „Keines dieser mutmaßlichen Verbrechen wurde in der Hitze des Gefechts begangen. Die mutmaßlichen Opfer waren Nicht-Kombattanten oder keine Kämpfer mehr.“

Der afghanische Präsident Ashraf Ghani bestätigte, dass er vom australischen Premierminister Scott Morrison eine Entschuldigung erhalten habe. „Der australische Premierminister drückte seine tiefste Trauer über das Fehlverhalten einiger australischer Soldaten in Afghanistan aus“, hieß es aus dem Büro von Ghani.

Canberra wehrt sich jedoch gegen Aufforderungen, seine Soldaten vor den Internationalen Strafgerichtshof zu stellen, und besteht darauf, dass Australiens eigenes Rechtssystem die Fälle behandelt.

Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: Melina Deymann

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"Mord als Initiationsritus", UZ vom 27. November 2020



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