Ende Juli starteten Missionen aus den Arabischen Emiraten, China und den USA zum Mars

Run auf den roten Planeten

Wenn alles gut geht, dann erhält unser Nachbarplanet im Februar 2021 gleich „dreifachen“ Besuch. Das günstige „Startfenster“ für einen Flug zum Mars wurde in diesem Jahr mehrfach genutzt: Am 19. Juli startete eine japanische H-IIA-Trägerrakete mit dem Mars-Orbiter „Al-Amal“ (Die Hoffnung) der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) vom japanischen Tanegashima Space Center, am 23. Juli die chinesische Marssonde „Tianwen-1“ (Fragen an den Himmel 1) mit einem Orbiter, einem Landegerät und einem noch namenlosen Rover vom Weltraumbahnhof Wenchang auf der südlichen chinesischen Insel Hainan. Sieben Tage später erfolgte der Start der US-Mission „Mars 2020“. Die Arabischen Emirate sowie China sind in Bezug auf einen Flug zum Mars Neulinge.

Die NASA setzt mit der aktuellen Mission ihr langjähriges Mars-Erkundungsprogramm fort. Dieses Mal soll neben dem Rover „Perseverance“ (Beharrlichkeit) erstmals ein Mini-Helikop­ter auf unseren Nachbarplaneten abgesetzt werden. Aufgaben der Mission sind die Erforschung des Klimas, aber auch die Untersuchung von Marsgestein, um Schlussfolgerungen im Hinblick auf die geologische Geschichte des Planeten zu ermöglichen. Unter anderem erhofft sich die NASA Erkenntnisse über etwaiges Leben auf dem Mars. Derzeit ist auf unserem Nachbarplaneten auch noch das im August 2012 gelandete Mars Science Laboratory „Curiosity“ in Betrieb.

Ziel der VAE-Mission ist es, mit Hilfe eines Mars-Orbiters das Marsklima über ein komplettes Marsjahr zu erfassen. Erforscht werden sollen unter anderem die Atmosphäre, Veränderungen des Wetters sowie der Wechsel der Jahreszeiten. Zudem soll die Frage geklärt werden, warum das einst auf dem Mars vorhandene Wasser verschwunden ist. Die Leitung der Mission liegt bei Wissenschaftlern und Technikern aus den VAE, die Sonde selbst wurde in den USA gebaut. Die Vereinigten Arabischen Emirate, bislang keine „Raumfahrtnation“, sind nach China, Japan und Indien das vierte Land in Asien, das sich der Raumfahrt zuwendet – offensichtlich mit Blick auf „die Zeit nach dem Erdöl“.

Dagegen ist China mit bemannten Flügen ins All, vor allem aber der spektakulären Landung auf der Rückseite unseres Erdmondes das Land, das in den letzten Jahren auf die wahrscheinlich größten Fortschritte in der Raumfahrt verweisen kann. Ende Mai testete Chinas Raumfahrtbehörde einen neuen Raumschiff-Prototypen, etwa zwei Monate später startete die Mars-Mission. Allerdings ist diese, bei der im ersten Anlauf – im April 2021 – mit Hilfe von Spezialfallschirmen und Bremsraketen zudem ein Marsfahrzeug auf der Oberfläche abgesetzt werden soll, ein sehr ambitioniertes Vorhaben: Es ist der erste chinesische Flug zum Mars – ein eigenständiges Mars-Projekt verfolgt man erst seit etwa 2012. Zudem ist es bislang nur der NASA gelungen, erfolgreich auf dem Mars zu landen, zum ersten Mal 1975 („Viking 1“, „Viking 2“), obgleich es seit 1960 sehr viele Flüge – neben den USA vor allem durch die Sowjetunion bzw. Russland – zu unserem Nachbarn gegeben hat. Ziele der chinesischen Mission sind neben Untersuchungen der Oberfläche und des Oberflächengesteins die Suche nach Eis und Erzen, die Erforschung der inneren Struktur des Planeten sowie der Ionosphäre und des „Wetters“. Sollte die Landung auf der Marsoberfläche gelingen, dann wäre damit nicht nur ein großer Prestigegewinn verbunden: Chinesische Raumfahrtexperten erwarten in diesem Fall auch einen großen technologischen Durchbruch.

Über die Autorin

Nina Hager (Jahrgang 1950), Prof. Dr., ist Wissenschaftsphilosophin und Journalistin

Hager studierte von 1969 bis 1973 Physik an der Humboldt-Universität in Berlin. Nach dem Abschluss als Diplom-Physikerin wechselte sie in das Zentralinstitut für Philosophie der Akademie der Wissenschaften der DDR und arbeite bis zur Schließung des Institutes Ende 1991 im Bereich philosophische Fragen der Wissenschaftsentwicklung. Sie promovierte 1976 und verteidigte ihre Habilitationsschrift im Jahr 1987. 1989 wurde sie zur Professorin ernannt. Von 1996 bis 2006 arbeitete sie in der Erwachsenenbildung, von 2006 bis 2016 im Parteivorstand der DKP sowie für die UZ, deren Chefredakteurin Hager von 2012 bis 2016 war.

Nina Hager trat 1968 in die SED, 1992 in die DKP ein, war seit 1996 Mitglied des Parteivorstandes und von 2000 bis 2015 stellvertretende Vorsitzende der DKP.

Hager ist Mitherausgeberin, Redaktionsmitglied und Autorin der Marxistischen Blätter, Mitglied der Marx-Engels-Stiftung und Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin.

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"Run auf den roten Planeten", UZ vom 21. August 2020



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