Betr.: „Die Diktatur des Kapitals“, UZ vom 3. Juli 2015, S. 1

Schulmeisterliche Arroganz

Von Randolph Oechslein, Hof

In der UZ vom 3. Juli äußern die Genossen Mörking und Idler im Leitartikel, dass „Tsipras zu glauben scheint … beim Referendum gestärkt um ein paar kümmerliche Brosamen für das zur Verelendung verurteilte griechische Volk kämpfen zu können …“. Und sie sagen SYRIZA und dem griechischen Volk auch in aller Bescheidenheit, wie die Lösung auszusehen hat: „Bruch mit EU und NATO als Ausbruch aus dem Diktat der Marktorthodoxie“. Die beiden UZ-Leitartikler mögen den Kampf um „ein paar kümmerliche Brotkrumen“, gering schätzen. An der realen Verelendung des griechischen Volkes geht das meilenweit vorbei. Die Tsipras-Regierung ist derzeit die einzige politische Kraft in ganz Europa, die der geballten Macht des internationalen Finanzkapitals und ihrer politischen Handlanger Widerstand entgegensetzt. Mit ihrer möglichen Beseitigung soll ein Exempel statuiert werden, das abschreckend auf andere Länder in Europa wirken soll. Die Botschaft ist klar: Widerstand gegen neoliberale Politik wird nicht geduldet. In dieser Situation ist Solidarität oberstes Gebot, nicht Besserwisserei. Beschämend für eine kommunistische Zeitung ist, dass im ganzen Artikel weder der Gedanke der Solidarität mit Griechenland auftaucht, noch auf die zahlreichen Demos und Kundgebungen orientiert wird. Stattdessen der schulmeisterliche Ratschlag, mit EU und NATO zu brechen. Genosse Fülberth kommentierte derartige „Ratschläge“ unlängst in der UZ treffend: Schön, wenn man auf dem Arsch anderer durchs Feuer reiten kann. Und wenn das griechische Volk den Ratschlägen von Mörking und Idler nicht folgen möchte, dann soll es sich auch selbst um seine Brotkrumen kümmern. Alles oder nichts ist keine kommunistische Politik.

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"Schulmeisterliche Arroganz", UZ vom 10. Juli 2015



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