Kaum eine der deutschen Leitmedien, die den Auftrag haben, Massenbewusstsein zu bilden, hat die Nachricht auf die Titelseite gehoben. In einer historischen Rückschau in einigen Jahrzehnten – wenn es so etwas dann noch gibt – wird es wahrscheinlich das wichtigste Ereignis vom Februar 2026 gewesen sein: Am 5. Februar ist nach der Weigerung der USA, die Regelungen doch wenigstens ein Jahr weiterlaufen zu lassen, der „New Start“-Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation ausgelaufen. Damit endet eine mehr als ein halbes Jahrhundert währende Ära, in der die seit den 1960er Jahren ebenbürtigen größten Atomwaffenmächte nach komplexen Verhandlungen – hier wäre das Kanzlerwort angemessen – klare, nachprüfbare Vereinbarungen über die Begrenzung und Kontrolle ihrer gegenseitigen atomaren Vernichtungspotentiale getroffen hatten.
Drei große Rüstungskontrollabkommen entstammen dieser Ära – alle inzwischen durch die USA aufgekündigt. Der ABM-Vertrag begrenzte den Aufbau von Raketenabwehrsystemen, um so zu verhindern, dass eine der beiden Mächte hinter einem Schild ungestraft zum Erstschlag ausholen könnte. Gäbe es ihn noch, könnte Donald Trump auf Grönland und anderswo keinen „Golden Dome“ bauen. Der zweite, der INF-Vertrag, schaffte im Gefolge der Auseinandersetzungen um Cruise Missiles und Pershing-II-Raketen, die Washington unter anderem in Deutschland stationieren wollte, landgestützte Mittelstreckenraketen ab. Gäbe es ihn noch, wäre die Stationierung des „Dark Eagle“ auf deutschem Boden nicht möglich. Nun also ist auch der am 8. April 2010 von den damaligen Präsidenten Barack Obama und Dmitrij Medwedjew unterzeichnete New-Start-Vertrag Geschichte. Er begrenzte die Anzahl der boden- oder U-Boot-gestützten atomaren Langstreckenwaffen einschließlich der auf strategischen Bombern stationierten Raketen und Bomben und führte zu einer nicht unbeträchtlichen Abrüstung. Die Anzahl der atomaren Sprengköpfe sank auf jetzt knapp 13.000 weltweit. Auch das reicht noch, um die Menschheit mehrfach auszulöschen. Aber der durch diese Abkommen erreichte Trend nach unten wird sich nun vermutlich umkehren. Diejenigen, die laut mit dem Ruf „regelbasierte Ordnung!“ durch die Lande ziehen, scheren sich einen feuchten Dreck um die UNO. Sie haben Regeln wie diese bilateralen Verträge einen nach dem anderen gebrochen oder gekündigt. Ab jetzt herrscht Wilder Westen.
Wer seitens des USA/EU/NATO-Blocks zu diesem Thema überhaupt etwas sagte oder schrieb, verwies meist auf China, das doch in einen wirklichen „Neustart“ atomarer Rüstungskontrollverhandlungen einbezogen werden müsse. Bloß nicht die eigene Rolle beleuchten. In der Regellosigkeit, die jetzt angebrochen ist, grabbelt der Urheber der beiden letzten Weltkriege nach dem atomaren Colt. Die deutsche Regierung versucht sich, ihrer vertraglichen Verpflichtungen, die ihr die atomare Bewaffnung verbieten, zu entledigen. Sie nutzt die EU als Vehikel für die eigene atomare Bewaffnung. Auch deshalb gehört die EU liquidiert.
Von dem, was jetzt neu entwickelt wird, wird die Welt nicht viel erfahren. Denn in seiner ersten Amtszeit stieg Trump auch aus dem „Vertrag über den offenen Himmel“ aus, der Beobachtungsflüge zuließ. Was nun an früher offenzulegenden Mehrfachsprengköpfen, Hyperschallwaffen, atomgetriebenen Flugsystemen und anderem Mordwerkzeug entwickelt wird, werden wir alle erst wissen, wenn sie losfliegen.


