Stahlarbeiter stellen Frage nach Vergesellschaftung

Wir können auch anders …

Fast zeitgleich mit der Meldung, dass ArcelorMittal das Jahr 2025 mit einem Nettoprofit von 3,2 Milliarden Dollar abschloss, wurde bekannt, dass der Stahlkonzern in den verschiedenen europäischen Ländern, darunter Luxemburg, zahlreiche Arbeitsplätze in den Bereichen Informationstechnologie, Logistik, Personalwesen und Finanzen auszulagern gedenkt, zum Teil nach Indien. Seitens des Konzerns heißt es, es handele sich lediglich um eine Studie, mit dem Ziel zu ermitteln, wie man „etwas schlanker“ werden könne, um „konkurrenzfähiger“ zu werden.

Aus der Geschichte der Demontage der Stahlindustrie in Luxemburg wissen wir, dass bisher alle Abbauetappen mit „Studien“ begannen und damit endeten, dass Tausende von hochqualifizierten Arbeitsplätzen abgebaut und ganze Hüttenwerke geschlossen wurden. Der Demontage, die 1974 begann, war ein massiver Kapitalexport vorangegangen und die Entscheidung, das in Luxemburg erwirtschaftete Geld nicht hierzulande in die Modernisierung der Stahlwerke und die Schaffung einer stahlverarbeitenden Industrie zu investieren.

Obwohl der Luxemburger Staat ein wichtiger Aktionär von ARBED-Arcelor war, rührte die Regierung während all der Jahre keinen Finger, um die Schließungen zu verhindern. Sie beschränkte sich darauf, die Demontage mit öffentlichen Geldern zu finanzieren, während die Gewerkschaften, gefangen in der „Sozialpartnerschaft“, sich darauf limitierten, den Abbau „sozialverträglich“ zu begleiten, ohne die Stahlarbeiter gegen die Schließung von Betriebsabteilungen und Hüttenwerken zu mobilisieren. Dazu zählt, dass damals auch die Initiative der Kommunisten, die Stahlindustrie zu verstaatlichen, die von Tausenden von Stahlarbeitern unterstützt wurde und im Stahlsyndikat des OGBL eine Mehrheit gefunden hatte, hintertrieben wurde.

Mit der feindlichen Übernahme von ARBED/Arcelor durch Mittal wurde es nicht besser. Im Gegenteil. Große Investitionen in den Ausbau der Stahlbetriebe oder in die Weiterverarbeitung von Stahl tätigte Mittal nicht, während der schleichende Abbau von Arbeitsplätzen in der Produktion weiterging, der inzwischen durch größere Einschnitte und Auslagerungen von Arbeitsplätzen in der Verwaltung des Konzerns fortgesetzt wird.

Die Frage bleibt, ob etwas getan werden kann, um diesen Niedergang zu stoppen, beziehungsweise umzukehren. Von der Regierung ist nicht zu erwarten, dass sie sich den Abbauplänen entgegenstemmen wird, von der parlamentarischen Opposition aber auch nicht, was wohl am besten mit der naiven Aussage eines linken Abgeordneten zu illustrieren ist, man müsse „Mittal mit guten Argumenten überzeugen, dass das der falsche Weg sei“. Als ließe ein Stahlboss, der allein auf Maximalprofite aus ist, sich von „Argumenten“ überzeugen!

In Frankreich manifestierte die CGT kürzlich unter dem Motto „On peut faire du Métal sans MITTAL“, was nichts anderes heißt, als dass die Stahlarbeiter auch ohne die Mittals dieser Welt Stahl herstellen können. Gestellt ist die Frage der Vergesellschaftung, ohne die weder die Arbeitsplätze im Stahlbereich, noch der Fortbestand der Stahlindustrie überhaupt, hierzulande und in unseren Nachbarländern abgesichert werden kann.

[author_box]

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Kritischer Journalismus braucht allerdings Unterstützung, um dauerhaft existieren zu können. Daher freuen wir uns, wenn Sie sich für ein Abonnement der UZ (als gedruckte Wochenzeitung und/oder in digitaler Vollversion) entscheiden. Sie können die UZ vorher 6 Wochen lang kostenlos und unverbindlich testen.



Spenden für DKP
Unsere Zeit