Was schiefgehen kann, wird schiefgehen: Der Pariser Louvre scheint Murphys Gesetz zur Handlungsmaxime erhoben zu haben. Alleine im letzten halben Jahr ließ sich das größte und meistbesuchte Museum der Welt spektakulär überfallen, musste einen großangelegten Ticketbetrug öffentlich machen sowie mit Rohrbrüchen und Überschwemmungen fertig werden. Dazu kommen ein ungeplanter Wechsel der Museumsleitung – und der größte Streik seit 20 Jahren.
Dieser Streik ist die einzige gute Nachricht aus dem renommierten Museum. Seit vielen Jahren machen die zuständigen Gewerkschaften auf den eklatanten Personalmangel aufmerksam und auf die Sicherheitsmängel, die daraus resultieren. Sie mahnen, das Museum müsse dringend renoviert werden. Die Museumsleitung ignorierte diese Warnungen geflissentlich.
190 Stellen im Bereich der Sicherheit und Überwachung strich die Geschäftsführung in den letzten zehn Jahren, stellte der Gewerkschaftsverband CGT fest. Das ist ein Rückgang um 15 Prozent bei beständig steigenden Besucherzahlen. Für die Sicherheitskräfte bedeutet das ständige Überlastung. Sie können ihrer Arbeit nicht mehr sinnvoll nachkommen. Selbst an Wochenenden und in den Ferien werden ganze Bereiche des Museums gesperrt, weil das Personal fehlt, um sie zu beaufsichtigen.
Für kunsthistorisch interessierte Besucher ist das ärgerlich. Wer andere Interessen verfolgt, kann davon profitieren. Die Einbrecher, die am 19. Oktober vergangenen Jahres Schmuck und Juwelen im Wert von 88 Millionen Euro aus dem Louvre trugen, dürften von den Missständen gewusst haben.
Man habe Glück gehabt, dass die Einbrecher morgens um halb zehn gekommen seien, erzählt der Louvre-Beschäftigte Gary Guillaud in einer Reportage der Tageszeitung „L’Humanité“. „Alle Überwachungsteams waren anwesend, da die Pausen noch nicht begonnen hatten. Die Evakuierung verlief ruhig und alle Mitarbeiter wurden für ihre Professionalität gelobt. Eine Viertelstunde später wären nur noch zwei statt fünf Mitarbeiter anwesend gewesen, was die Situation erheblich erschwert hätte.“ Die Einbrecher flohen vor einem Wachmann – wohl, als sie versuchten, die Hebebühne anzuzünden, über die sie in das Museum gelangt waren. Wäre ihnen das gelungen und hätte das Feuer auf das Gebäude übergegriffen, hätte der mögliche Verlust an Menschenleben und der wahrscheinliche Verlust von Kunstwerken den Wert ihrer Beute deutlich in den Schatten gestellt, vermutet Guillaud.
Seine Gewerkschaft, die CGT culture, freut sich über die Streikbereitschaft fast aller Beschäftigten des Louvre. „Seit 2003 ist es das erste Mal, dass Konservative zu uns kommen und fragen, wie man streikt. Ich habe in über zwanzig Jahren noch nie eine Mobilisierung dieses Ausmaßes gesehen“, sagt Guillaud. Die Gewerkschaften richten ihre Forderungen mittlerweile direkt an das Kulturministerium, weil die Museumsleitung Gespräche verweigert. Das „Angebot“ des Ministeriums, eine Einmalzahlung von 350 Euro, schlugen sie aus. Die Beschäftigten fordern die Erhöhung einer monatlichen Zulage. Wichtiger als die Bezahlung sind ihnen andere Dinge: „Wir sind hier, um auf die Arbeitsbedingungen und das Management aufmerksam zu machen, nicht, um ein paar Euro mehr zu verdienen“, unterstreicht Guillaud. Kurz nach einem viertägigen Streik Ende Dezember vergangenen Jahres entschieden die Louvre-Beschäftigten einstimmig, ihren Streik fortzusetzen.
Das ist notwendig, weil die Regierung den Schuss noch immer nicht gehört hat. Anfang vergangenen Jahres hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron seinen Plan „Nouvelle Renaissance du Louvre“ verkündet. Die Renovierung des Museums soll zurückstecken zugunsten eines neuen Haupteingangs und eines neuen Saals für Leonardo da Vincis „Mona Lisa“. Die Gewerkschaften fordern hingegen, die Renovierung bestehender Gebäude müsse unbedingten Vorrang haben. Das Kulturministerium hält an Macrons Plan fest. Gewerkschafter Guillaud kann das nicht verstehen. „Man baut keine Terrasse, wenn das Haus gerade einstürzt!“









