Vor gut zehn Tagen traf der Ballspielverein aus Dortmund in der europäischen Königsklasse auf Atalanta Bergamo. Die aktive Fanszene aus Dortmund boykottierte das Spiel, denn zur Begleitmusik gehörten Auflagen, Vorschriften und Verbote seitens der italienischen Behörden und des gastgebenden Vereins. So wurde dem BVB durch Atalanta vorgeschrieben, das Kontingent für Auswärtskarten nur an in Deutschland gemeldete Anhänger abzugeben. Hintergrund ist eine Fanfreundschaft einiger Dortmunder Ultras mit Tifosi von Catania Calcio, einem Rivalen des norditalienischen Gastgebers. Der Ruhrpott-Verein erklärte daraufhin, solche Entscheidungen stellten „eine nicht hinnehmbare Diskriminierung dar“ und widersprächen „fundamentalen Prinzipien“ des Kontinentalverbands UEFA.
Handelte es sich also um einen von der Fußballordnung nicht gebilligten Vorgang? Nein, italienische Vereine und ihre Lokalpolitiker versuchen seit Jahren, die Einreise unliebsamer ausländischer Fans zu internationalen Spielen ihrer Vereine zu verhindern. Bisher wurde das durch Grenzsperrungen inklusive Aufhebung des Schengen-Abkommens gelöst. Nun scheinen aber auch deutsche Polizeibehörden mitzumachen. Im Fall des Spiels gegen Atalanta Bergamo wurde etwa 300 BVB-Fans von der Bundespolizei die Ausreise nach Italien verwehrt. Sie wurden am Flughafen festgesetzt.
Die Dortmunder Fanhilfe, eine autonome juristische Hilfsstruktur der Dortmunder Basis, bringt diese Vorfälle in Verbindung mit einer immer eskalativeren Einsatzstrategie der Polizei im Bundesliga-Alltag. Dieser Gedanke bestätigte sich nur Tage nach dem Atalanta-Fiasko, als Bayern München am vergangenen Wochenende in Dortmund gastierte: Polizeikräfte prügelten sich vor dem Eingang zum Auswärtsblock mit Knüppeln und Reizgas durch die Reihen der Bayern-Fans. Anlass war eine Drängelei von Anhängern und einem Ordner, der eine Polizeieinheit vor Ort wohl dazu motivierte, sich durch hunderte Fußballfans zu pfeffern. Militarisierung, Disziplinierung und Formierung nach Innen scheinen sich sowohl im Italien der „Erben Mussolinis“ als auch in Merz-Deutschland frei zu entfalten. Die aktive und lebendige Fankultur hat in den Augen der herrschenden Politik ein Ablaufdatum.


