Anschlag der Vulkangruppe

Nein, das ist nicht der nächste Anschlag der Vulkangruppe in Berlin. So fleißig ist die Gruppe nicht, die verdächtigt wird, eine Kabelbrücke angezündet zu haben. Seit 2011 wird ihr ein gutes Dutzend Attentate zugeschrieben – nicht einmal eins pro Jahr. Da aber in Berlin Wahlkampf ist und ausgerechnet der reiche Berliner Südwesten tagelang ohne Strom war, muss gehandelt werden. Das Entspannungstennis des Berliner Bürgermeisters Kai Wegner kam bei den zahlreichen CDU-Wählern in Steglitz und Zehlendorf nicht gut an. Deshalb springt ihm Bundesinnenminister Alexander Dobrindt zur Seite und holt zum Gegenschlag gegen die „Klima-RAF“ (Dobrindt 2022) aus. Mehr Personal und mehr digitale Überwachungsmaßnahmen soll es geben. Partner für die technische Umsetzung ist Israel. Dort traf sich der Innenminister zu Beginn der Woche mit dem mutmaßlichen Kriegsverbrecher Benjamin Netanjahu. Vom ihm möchte er lernen, wie man mit angeblichen Terroristen umgeht. Deshalb beteiligt sich jetzt auch der bisherige Chef der Spezialkräfte der deutschen Polizei bei der kolonialen Unterdrückung durch die US-geführte OSC im Westjordanland. Mehr Personal gibt es natürlich nur für die Sicherheitsorgane. Und so bleiben vereiste Geh- und Radwege Normalzustand. Ebenso wie tagelanges Reparieren von Schäden an Stromleitungen. Immerhin ist es eine schöne Vorstellung, bald auf jedem zweiten Hochspannungsmasten einen Schlapphut sitzen zu sehen, der uns vor Vulkanen und natürlich vorm Russen und vorm Chinesen beschützt.

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"Anschlag der Vulkangruppe", UZ vom 16. Januar 2026



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