Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes: 2,8 Millionen Kinder in Deutschland leben in Armut

Armutszeugnis

Kinder sind unsere Zukunft“ ist eine beliebte Floskel bei Sonntags- und Wahlkampfreden und wird sicher im Vorfeld der Bundestagswahl wieder häufiger aus berufenen Munde zu hören sein. Wie es um die soziale Situation vieler Kinder und Jugendlicher in Deutschland gegenwärtig bestellt ist, wurde in einer aktuellen Studie der Forschungsstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes über einen Zeitraum von zehn Jahren untersucht. Die Studie mit dem Titel „Kein Kind zurücklassen. Warum es wirksame Maßnahmen gegen Kinderarmut braucht“ kommt zu dem Ergebnis, dass Kinderarmut überdurchschnittlich angewachsen ist. Rund 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche leben inzwischen in Deutschland in Armut. Dies entspricht 20,5 Prozent der Angehörigen dieser Alterskohorten. Besonders hart und häufig sind hier kinderreiche Familien sowie Alleinerziehende und deren Kinder betroffen.

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen eindrucksvoll, dass die bestehenden sozialen Sicherungssysteme bei weitem nicht ausreichen, um Familien und Kinder effektiv vor Armut zu schützen. So sind die Leistungen der Grundsicherung deutlich zu niedrig bemessen. Auch die jüngeren ergänzenden familienpolitischen Maßnahmen – zum Beispiel die Reformen bei Leistungen wie Kinderzuschlag und Unterhaltsvorschuss – reichen bei weitem nicht aus. „Diese holen zwar verstärkt Familien mit Kindern aus dem SGB-II-Bezug, sind aber mitnichten armutsfest“, kritisieren die Autoren der Studie.

Die Forschungsstelle des DPWV hat darüber hinaus auch die unterschiedlichen Entwicklungen von Kinderarmut in den einzelnen Bundesländern und zwischen Ost- und Westdeutschland untersucht. Trotz starker regionaler Differenzierung ist ein deutlicher Trend erkennbar: Während sich die Lage der Kinder und Jugendlichen im Osten ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau zumindest in den „Boom-Zentren“ Leipzig, Dresden oder Jena leicht verbessert, wachsen die Probleme in einigen westdeutschen Ländern. Insbesondere in Bremen, Hessen, Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen ist die Situation inzwischen teilweise dramatisch.

Da die Folgen der Corona-Pandemie insbesondere einkommensarme Familien zusätzlich belasten und in den Ergebnissen der Studie aufgrund des Untersuchungszeitraums noch nicht berücksichtigt worden sind, wird sich die Lage sicher weiter verschärfen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband wirksame Maßnahmen, darunter die Einführung einer bedarfsgerechten, einkommensabhängigen Kindergrundsicherung und einen Rechtsanspruch auf Angebote der Jugendarbeit. Um Armut von Kindern und ihren Eltern wirksam zu beseitigen, muss darüber hinaus sowohl am Arbeitsmarkt als auch bei der Grundsicherung angesetzt werden, fordert der Sozialverband. Darüber hinaus müssten auch Verteilungsfragen neu diskutiert werden: „Alle Maßnahmen, die geeignet sind, die Kluft zwischen Arm und Reich zu schließen, kommen auch Familien und damit Kindern zugute“, heißt es in der Studie. Bei solchen Aussagen und Forderungen stellt sich aufgrund der jüngsten politischen Entwicklungen angesichts von Krise und Sozialabbau die Frage, wann der Paritätische Wohlfahrtsverband vom Inlandsgeheimdienst als „verfassungsfeindliche Organisation“ eingestuft und von „Ministerial-Bürokraten“ politisch und ökonomisch bekämpft wird. Mit der Tageszeitung „junge Welt“, der Roten Hilfe, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, der DKP und anderen Organisationen, die für eine solidarische Gesellschaft und gerechtere Welt kämpfen, befände er sich dann in bester Gesellschaft.

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"Armutszeugnis", UZ vom 23. Juli 2021



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