Subbotniks ermöglichen die Kernsanierung der Karl-Liebknecht-Schule

Befreite Arbeit

Großzügige Spenden und fleißige Subbotnik-Teilnehmer ermöglichen die Kernsanierung der Karl-Liebknecht-Schule der DKP in Leverkusen. Wie funktioniert so ein Subbotnik? Die UZ-Redaktion schickte ihr handwerklich unbegabtestes Mitglied, um das herauszufinden.

„(Die Arbeit) hat den Menschen selbst geschaffen“, resümiert Friedrich Engels in „Der Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen“. Ich sitze im Treppenhaus der Karl-Liebknecht-Schule (KLS), als mir dieser Satz wieder in den Sinn kommt. Mit einem flexiblen Spachtel entferne ich die letzten Reste der Abdeckung, die die Natursteintreppen während der Sanierung des Treppenhauses geschützt hatte. Eine mühselige Arbeit, sich wiederholend, monoton. Ich spüre Muskeln, von deren Existenz ich noch gar nichts wusste. Der Staub der Baustelle brennt in meiner Nase. Dennoch macht mir die ungewohnte körperliche Arbeit Spaß. Sie erlaubt mir, meine Gedanken kreisen zu lassen. Darum, wie meine Arbeit die Treppe, aber eben auch meinen Körper verändert. Um meine Funktion im Kollektiv und kleine Beiträge zu einem großen Ganzen. Um Arbeit, die mich nicht mehr mir selbst entfremdet.

Subbotnik hieße, sich selber Arbeit zu suchen, hatte mir David tags zuvor erklärt. David ist ein Genosse aus Hannover. Dieser Subbotnik ist schon sein fünfter in der KLS. Er macht eine Ausbildung zum Tischler und lässt sich den Einsatz als Praktikum anrechnen.

Ich muss mir keine Arbeit suchen, die Arbeit findet mich. In zwei Monaten soll die Renovierung der Innenräume abgeschlossen sein. Bis dahin ist noch viel zu tun. Bauleiter Ansgar begeht die Baustelle mit uns. Dann trägt er David und mir auf, die Abdeckungen im Treppenhaus zu entfernen. David weiß, was auf uns zukommt. Er organisiert Arbeitshandschuhe und FFP2-Masken. Der Staub wirbelt meterhoch. Wir arbeiten konzentriert – Freizeitvergnügen ist der Subbotnik nicht. Zeit für kurze Gespräche zwischendrin bleibt aber.

Am Nachmittag kommt Reinhard an. Der pensionierte Rechtsanwalt aus München staunt, wie modern die KLS geworden ist. Zuletzt sei er vor 35 Jahren hier gewesen, erzählt er uns. Er freut sich sichtlich, wieder hier zu sein, stellt sein mitgebrachtes Radio auf und hilft mir beim Reinigen der Treppen. Bei Schostakowitschs „Walzer No. 2“ geht die Arbeit leichter von der Hand. Trotzdem tut mir der ganze Körper weh, als ich um 19 Uhr schließlich Feierabend mache. Die Badezimmer im zweiten Obergeschoss sind schon modernisiert. Eine heiße Dusche später genieße ich das Abendessen, das Ansgar für uns gekocht hat. Und öffne mir ein kaltes Bier. Es bleibt nicht das letzte an diesem Abend. Bis zwei Uhr morgens diskutieren Ansgar, David und ich über den Krieg in der Ukraine. Und erzählen uns, wie wir zur DKP gefunden haben. Es sind drei sehr unterschiedliche, aber gleichermaßen spannende Geschichten.

So sieht ein Subbotnik-Tag aus: Gemeinsames Frühstück um 8 Uhr. Arbeitsbeginn um 9 Uhr. Gemeinsames Mittagessen gegen 13.30 Uhr. Feierabend um 19 Uhr, kurz darauf gemeinsames Abendessen. Dann der gemütliche Teil, mit offenem Ende.

Auch am zweiten Tag meines Subbotniks strahlt die Sonne über Leverkusen. Dank der größeren Fenster im Keller und Erdgeschoss kommt viel Sonnenschein zu uns durch. David und ich befreien die rückwärtige Terrasse von alten Glastüren, Brettern und anderem Bauschutt. Er erklärt mir, wie ich schwere Lasten sicher trage und meinen Rücken entlaste. Und zeigt mir hilfreiche Übungen, die ich in den Pausen machen kann.

Mich motiviert, dass Fortschritte sofort sichtbar sind. Sie fallen auch den Genossen auf, die im Laufe des Tages noch zu uns stoßen: Henrik aus Münster, Bernd aus Ahlen und Engelbert aus Siegen. Größte Herausforderung des Tages: zwei Rollen Bodenbelag à 199 kg, die über die Eingangstreppe ins Haus gebracht werden müssen. Zu viert wird das Problem gelöst.

In der Pause erzählt uns Ansgar von der wechselhaften Geschichte des Hauses der KLS. Arbeiter eines KPD-nahen Vereins hatten es Anfang der 1930er Jahre in Eigenleistung errichtet. Zwei Jahre später rissen sich die Faschisten das Gebäude unter den Nagel. Die Nazis zerstörten den Bauhaus-Charakter des Hauses. Im Februar 1946 bekam der neu gegründete Arbeiter-Kulturkartell e.V. das Haus zurück, nachdem der Verein für die unerwünschten Umbauten der Nazis bezahlt hatte.

Wir staunen noch über solche Geschichten, als wir abends beim Bier zusammen sitzen. Mittlerweile sind auch Günther aus Stuttgart und Edgar aus dem Spessart angekommen. Edgar packt sein Akkordeon aus und spielt „Bella Ciao“, „Bandiera Rossa“ und die „Partisanen vom Amur“. Reinhard singt ohne Scheu mit. Er war einst in der Songgruppe des Münchner DGB aktiv und erzählt uns Anekdoten aus dieser Zeit. Der Rest von uns braucht noch einen Schnaps, dann stimmen wir auch mit ein. Gesellige Abende wie dieser sind ein guter Teil der Motivation vieler Genossen, am Subbotnik teilzunehmen.

Die Kernsanierung des Innern der KLS soll bis zum 19. Mai abgeschlossen sein, danach sind Fassade und Außenanlage dran. Am 26. Mai beginnt das erste Seminar in der renovierten Schule. Bis dahin ist noch viel zu tun: Manche Wand muss noch gestrichen, Fußböden verlegt werden, Scheuerleisten angebracht, Steckdosen und Lichtschalter angebracht werden. Schließlich muss die Baustelle aufgeräumt und das Haus gereinigt werden. Der Zeitplan ist sportlich. Genossinnen und Genossen, ob handwerklich begabt oder untalentiert wie der Autor dieses Textes, sind herzlich eingeladen, ihren Beitrag zur Modernisierung der KLS zu leisten. Eine spannende und lehrreiche Erfahrung, die die KLS, die Bildungsarbeit der DKP, aber auch einen selbst voran bringt.

Der nächste Subbotnik findet vom 25. bis 29. April statt. Anmeldung: kls@dkp.de

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"Befreite Arbeit", UZ vom 8. April 2022



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