Betr.: Leserbrief „Sozialismus-Kommunismus“?, UZ vom 16.2., S. 15

Bitte nicht überziehen

Von Herbert Münchow, Leipzig

Natürlich sind wir Kommunisten und haben wie Marx und Engels kein Problem mit dieser Namensgebung. Wir sind ja Mitglieder der DKP. Aber dass Kommunisten keine Sozialisten sind, ist mir neu. Javier Rojas sagt ja selbst, man könne beides verwenden. Denn, das sagt Javier nicht, der Kommunismus ist die sozialistische Gesellschaft (der Sozialismus) in entfalteter Form. Man kann das bei Lenin in Auseindersetzung mit Bucharin nachlesen. Insofern ist der Kommunist der wirklich konsequente Sozialist, der alle seine Anstrengungen darauf richtet, dass der Sozialismus sich auf seiner eigenen Grundlage entwickeln kann. Anders kommt man nicht zum Kommunismus, also der höheren Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation.

Ich würde nicht so verengt argumentieren und den Wissenschaftlichen Sozialismus (ein Begriff, der sich mehrfach bei unseren Klassikern findet) als „DDR-Konstrukt“ bezeichnen, das – wider besseren Wissens – angeblich „an erster Stelle in der nationalen Verteidigung“ zum Tragen kam. Da ich nun gewisse Zeit sogar Vertreter dieses „Konstrukts“ an der Karl-Marx-Universität Leipzig gewesen bin, möchte ich hier energisch widersprechen. Wer die Geschichte des Marxistisch-Leninistischen Grundlagenstudiums (MLG), des Franz-Mehring-Institutes und der Sektion Marxistisch-leninistische Philosophie/Wissenschaftlicher Kommunismus an der KMU kennt, der kann solch eine Darstellung nicht gelten lassen. Wenn vom wissenschaftlichen Sozialismus in der DDR die Rede war, dann niemals als Gegenpol zum Wissenschaftlichen Kommunismus. Das galt auch für Hermann Duncker. Ich bitte also nicht zu überziehen!

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"Bitte nicht überziehen", UZ vom 23. Februar 2018



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