Rede der Bottroper DKP-Ratsfrau Irmgard Bobrzik im Rat der Stadt

Ein AfDler in den Sozialausschuss? „Pfui Deibel!“

Nachdem die Vertreter der Fraktionen im Sozialausschuss der Stadt Bottrop sich bei drei vorangegangenen Sitzungen gegen den Guido Schulz (AfD) ausgesprochen hatten, verfügte die Bezirksregierung, dass dem AfD-Abgeordneten das Recht auf einen Platz in den Ausschuss nicht verwehrt bleiben darf. SPD, Grüne, Linke und DKP sprachen sich gegen diese Entscheidung aus. Wir dokumentieren die Rede der Bottroper DKP-Ratsfrau Irmgard Bobrzik im Rat der Stadt:

Wie Sie wissen, bin ich bereits 80 Jahre alt. Als der Faschismus besiegt wurde, war ich vier Jahre alt, habe die Nazis also nicht mehr bewusst erlebt, die Verfolgung der Kommunisten ab 1956 allerdings sehr wohl.

Mein Vater war nicht Mitglied der KPD vor 1933, aber er ist nach der Machtübertragung auf die Nazis ins Konzentrationslager gebracht worden. Er war im Lager Esterwegen, etwa zur gleichen Zeit wie Clemens Kraienhorst (1905 bis 1989, Bottroper Ratsherr für KPD und DKP, Anm. d. Red.). Er hat allerdings nicht viel über dieser Zeit erzählt, aber darüber, dass die Faschisten beim Marsch durch den Eigen immer zu unserer Wohnung hingeschaut haben, um zu sehen, ob sie meinen Vater soweit provozieren konnten, dass er als bekannter Antifaschist etwas Unbesonnenes tat.

Soviel zu meiner Familiengeschichte. Sie glauben daher doch wohl nicht, dass ich hier und heute dem Mitglied einer Partei meine Stimme gebe, die von Faschisten, Rassisten und Nationalisten durchsetzt ist – soweit, dass sie in der Führung dieser Partei vertreten sind. Die Bottroper AfD hat sich aber nicht einen Deut von diesem widerlichen braunen Pack distanziert, von Protesten oder Austritten ist ebenfalls nichts bekannt.

Anders ausgedrückt: Wer dieser Partei und deren Vertretern die Stimme gibt, sei es bei Wahlen oder hier und heute, ist in meinen Augen Mitwisser und Mitvollstrecker eines neuen Rassismus, Nationalismus und Faschismus. Ich kann Ihnen nur zurufen: Pfui Deibel! Ich werde diesen Leuten meine Stimme nicht geben. Wehret den Anfängen!

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