Ein Witz namens Wander

Roland Winkler, Aue

Zu „Mit zweifelhafter Qualifikation“, UZ vom 21. Februar

Nur gut, dass wir einen Ostbeauftragten bekommen haben, der Durchblick hat und weiß, woher Rassismus und Faschismus kommen. Außenpolitisch stimmt immer – der Russe war’s und innenpolitisch die Linken. Der Mann ist auf Linie, nicht Ost nicht West, erkennt links als die Gefahr, die uns rechts gebracht hat. Da braucht es wahrlich den historisch klaren und realitätsnahen Blick auf dieses Land.

30 Jahre DDR-Schlechtreden, Kriminalisieren, Diffamieren und mehr – das hat es für den Mann nie gegeben. Schlechtreden nennt der Mann, wenn sich wahrlich nicht nur Linke dessen besinnen, was einmal ihre Lebensrealität gewesen ist (…).

Schlechtreden nennt er, wenn Menschen erstaunt bis naiv feststellen konnten, wie teuer Gesundheit werden kann, wie schnell Armut drohen kann, Angst um die Existenz entsteht, Tafeln und Flaschensammeln modern werden kann, Wohnen unbezahlbar sein kann, Kindereinrichtung, Bildung, Schulessen und anderes eine Finanzierbarkeitsfrage wird (…), wenn Pflege im Alter sich nicht geleistet werden kann.

Muss ich jetzt jedem, den ich demnächst über das eine oder andere klagen höre und der sich um solches für sich und Familie sorgt, die Vorhaltung machen, er habe den braunen Sumpf nach vorn gebracht? In gelobter und gefeierter Meinungsfreiheit ist es also nicht zu empfehlen, Meinungen zu vertreten, wenn sie nach unserem Ostbeauftragten die Rechten fördern?

Der Herr Wanderwitz ist nicht nur ein Witz, er ist überflüssig, weil er beweist, wie der Osten keinen Beauftragten mehr braucht, weil Westpolitik schon immer wusste, was Wanderwitz jetzt weiß. Nach 30 Jahren wollen Ostdeutsche immer noch Meinungsfreiheit, die nie gemeint war.

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"Ein Witz namens Wander", UZ vom 28. Februar 2020



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