Über die wachsende Gefahr eines Atomkriegs

Nehmt Moskau ernst!

Nach 30 Jahren NATO-Ostexpansion, 25 Jahren fortlaufender Kündigung aller Verträge zur Rüstungskontrolle und Abrüstung zwischen den USA und der So­wjet­union beziehungsweise Russland sowie zwölf Jahren Stellvertreterkrieg gegen Russland – geplant war 2014 der rasche Durchmarsch durch die russischsprachige Ostukraine an die russische Grenze – sieht sich der Imperialismus nicht am Ziel. Russland liegt nicht am Boden, sondern hält unter anderem mit der Entwicklung von Waffen dagegen, die der Westen nicht hat. Dabei beteiligen sich die USA nach wie vor am Krieg gegen Russland mit Geheimdienstinformationen und Satellitenfunk, lassen sich die Waffen aber von den Westeuropäern bezahlen.

Das steigert offenbar die Risikobereitschaft von EU und den europäischen NATO-Mitgliedern, die Grenzen zum Atomkrieg zu testen. Ein Großmanöver, das sich „ohne jegliche Tarnung“ (Sergei Schoigu, Sekretär des russischen Sicherheitsrates) gegen Russland und Belarus richtet, folgt dem anderen. Von Januar bis März übten zum Beispiel rund 10.000 Soldaten aus elf Staaten im Rahmen von „Steadfast Dart 2026“ mit Deutschland als „Gastnation“, also Drehscheibe, die Verlegung von Truppen innerhalb Westeuropas. Das seit 2024 gültige neue Streitkräftemodell sieht vor, bis zu 800.000 Soldaten zum Einsatz zu bringen. Dem folgte unter anderem vom 27. April bis zum 13. Mai das schwedisch geführte Manöver „Aurora 26“ in der mittleren Ostsee mit rund 18.000 Soldaten aus zwölf Ländern. Am Dienstag zählte Schoigu „sieben Übungen gleichzeitig“.

Unterdessen heizen die NATO-Staaten ihren Krieg gegen Russland mit unbegrenzten Summen für die korrupte Regierungsclique in Kiew an und lassen ihre Medien deren angebliche Siege bejubeln. Als allerdings am 21. Mai vier ukrainische Drohnen in das Wohnheim einer Berufsschule in Starobelsk bei Lugansk einschlugen und 21 Schüler töteten, meldete sich kein westlicher Politiker zu Wort, die Staats- und Konzernmedien schwiegen weitgehend und weigerten sich, vom Ort des Massakers zu berichten. Russland sprach von einem „Terroranschlag“ und wies die Kiewer Darstellung zurück, dass eine Ausbildungsstätte für russische Drohnenpiloten getroffen worden sei. Später ruderte Kiew zurück und sprach von einem „Zwischenfall“.

Moskau kündigte Vergeltung an und setzte in der Nacht zum Sonntag bei einem Schlag auf Kiew neben etwa 700 Drohnen auch Hyperschallwaffen wie die „Oreschnik“-Rakete und den Marschflugkörper „Zirkon“ ein, außerdem mehrere Dutzend ballistische Raketen vom Typ „Iskander“. Bei dem Angriff auf Kiew kamen nach ukrainischen Angaben zwei Menschen ums Leben. Getroffen wurden unter anderem: Drei große Rüstungsbetriebe für Militärelektronik in Kiew, ein Flugplatz und Montagewerkstätten für die ukrainischen „Flamingo“-Drohnen sowie für unbemannte Seedrohnen in der 90 Kilometer südlich von Kiew gelegenen Stadt Belaja Zerkow.

Insbesondere der Einsatz der „Oreschnik“, deren kinetische Energie für verheerende Zerstörungen ausreicht, führte zu Aufregung im Westen. Bundeskanzler Friedrich Merz empörte sich über „rücksichtslose Eskalation“. Die Ermordung von 21 jungen Leuten zählt bei ihm offensichtlich nicht dazu.

Russland zeigte mit dem Schlag vom Sonntag, dass es nicht gewillt ist, das Austesten durch den Westen hinzunehmen. Das sollte in Berlin, Paris, London oder Washington ernst genommen werden. Blinder Wille zum Krieg übersteigt dort aber gegenwärtig alles andere.

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"Nehmt Moskau ernst!", UZ vom 29. Mai 2026



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