Zum Bildersturm in Berlin gegen sowjetische Ehrenmale

Grüner Revanchismus

Peter Baumert

Die Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus brachte am 21. Mai einen Antrag unter dem Titel „Sowjetische Ehrenmale in Berlin geschichtlich einordnen und vor politischer Instrumentalisierung schützen“ ein. Er wurde in den Kulturausschuss überwiesen. Dort fand er vermutlich Wohlwollen etwa beim SPD-Abgeordneten und früheren Innensenator Andreas Geisel oder der CDU-Frau Stefanie Bung.

Bung verlangte bereits 2022, die beiden T-34-Panzer vor dem Ehrenmal im Tiergarten, das am 11. November 1945 mit einer Parade der vier alliierten Truppen eingeweiht wurde, zu beseitigen. Sie stünden nicht für Befreiung, „sondern für die aggressive, territoriale Grenzen und Menschenleben missachtende Kriegsführung des Putin-Regimes“, seien „Symbole der Aggression und Kriegsverbrechen“. Ähnliches hatten die Parteien Westberlins im Kalten Krieg öfter von sich gegeben, so dass die britische Besatzungsmacht das Ehrenmal wegen der antikommunistischen Hysterie in der „Frontstadt“ nach dem 13. August 1961 sicherte und erst 1990 dem Senat übergab. Dennoch gelang es einem Neonazi, am 7. November 1970 einen der sowjetischen Wachsoldaten am Ehrenmal durch Schüsse schwer zu verletzen. Nach Bungs Hetze verhüllten Unbekannte die beiden Panzer mit ukrainischen Fahnen.

Osteuropäische Nationalisten und Neofaschisten, die in Berlin über verschiedene Einrichtungen verfügen, lassen trotz der deutsch-russischen Verträge von 1992 über Erhalt und Pflege der Ehrenmale nicht locker. Sie wollen den antisowjetischen und antirussischen Bildersturm ihrer Länder auch in Berlin wüten sehen. Grüne, CDU, Linke und SPD sind willig. Geisel entdeckte zum Beispiel im Oktober 2025, die Ehrenmale seien von „stalinistischem Bombast“ geprägt, der „kritisch kontextualisiert“ werden müsse.

„Kontextualisieren“ ist auch das Hauptstichwort im Grünen-Antrag. Gemeint ist die Kommentierung der Ehrenmale mit antikommunistischen BRD-Geschichtslegenden. Zentral taucht im Grünen-Antrag also sofort der „Hitler-Stalin-Pakt“ auf, nicht etwa die Machtübergabe an Hitler 1933 oder gar das Münchner Abkommen von 1938. Der Berliner Grünen-Antrag hat das Zeug, ins Zentrum der kollektiven antirussischen Revancheraserei des deutschen Establishmens zu gelangen.

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"Grüner Revanchismus", UZ vom 29. Mai 2026



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