Die FAZ hat gegenwärtig drei Herausgeber, manchmal waren es schon sechs. Offenbar ist mit der Verkleinerung des Ideologie- und Politausschusses der deutschen Großbourgeoisie etwas Kontrolle abhanden gekommen. Seit längerer Zeit sieht sich der für Politik zuständige Berthold Kohler nämlich von Waldimir Putin verfolgt, was selbstverständlich nicht heißen soll, dass der Frankfurter paranoid ist. Er verfällt nur bei Erwähnung des Moskowiters in einen Ton, der früher in Kreisen, die sich nach Knigge richteten, zu Naserümpfen führte. Aber Frankfurt am Main, nicht etwa das DDR-verseuchte Frankfurt an der Oder, liegt jetzt an der Ostfront. Da wird nicht argumentiert, sondern geschnarrt.
Als zum Beispiel FAZ-Korrespondent Michael Martens sich am 8. August auf einer Pressekonferenz in Belgrad bei Wladimir Selenski erkundigte, wie „wir Europäer“ der Ukraine helfen könnten, „mehr Russen zu töten … russische Soldaten natürlich“, schrieb ihn die russische Justiz zur Fahndung wegen „Aufstachelung zu Hass oder Feindschaft“ in Massenmedien aus. Nach deutschem Strafrecht hätte sie mehrere Tatvorwürfe erheben können: Paragraph 130 Volksverhetzung (in den 1990er Jahren erntete die FAZ für ihre antiserbischen Pogromtexte noch mehrfach Strafanzeigen), Paragraph 241 Bedrohung sowie Paragraph 111 öffentlicher Aufruf zu Straftaten. Kohler räumte ein, das „Wir“ von Martens sei distanzlos gewesen, überwand aber sofort jede Distanz zur NATO-Propaganda und phantasierte von „hybridem“ Krieg, davon, „der Westen“ müsse sich „entschiedener zur Wehr setzen“ und überhaupt sei alles ein Angriff auf die Pressefreiheit und damit den Westen. Wer wie ein Faschist übers „Killen“ von Russen redet, ist bei Nazikenner Kohler gut aufgehoben.
Er setzt öfter Putin mit Hitler gleich, das heißt, macht systematisch Faschismus, Krieg und die Völkermorde an Sowjetbürgern und europäischen Juden klein. Am Dienstag war es erneut so weit: Kohler wirft Donald Trump vor, „einem vollständigen Seitenwechsel“ nahegekommen zu sein, und malt seine persönliche Phantasie an die Wand: „Fällt die Ukraine in Putins Hand, dann wird er sich mit ihr so wenig zufriedengeben, wie Hitler das Sudetenland und die ‚Resttschechei‘ genügten.“ Alle Hitler, außer uns.

