USA überfallen Venezuela und entführen Präsident Nicolás Maduro

Krieg für Öl

„Ich bin der Präsident Venezuelas, ich betrachte mich als Kriegsgefangenen“ – Venezuelas Staatsoberhaupt Nicolás Maduro zeigte sich am 5. Januar vor Gericht in New York unbeugsam. Zwei Tage zuvor waren die USA mit rund 250 Flugzeugen, Hubschraubern und Drohnen in Venezuela eingedrungen, hatten zivile und militärische Anlagen bombardiert und Maduro durch ein Spezialkommando aus seiner Residenz entführt. Die genaue Zahl der Todesopfer wurde von den venezolanischen Behörden bislang nicht genannt, Innenminister Diosdado Cabello sprach zwischenzeitlich von 120 Getöteten. Wie die kubanische Regierung mitteilte, wurden 32 ihrer Staatsangehörigen in Ausübung ihres Dienstes getötet, sie gehörten den Sicherheitskräften um Maduro und den Präsidentenpalast Miraflores an. Offenbar trafen die US-Bomben auch Gesundheitseinrichtungen und Unterkünfte von Soldaten.

US-Machthaber Donald Trump machte unmittelbar nach der Aggression deutlich, dass es nicht etwa um Drogenhandel geht, wie die von der US-Justiz erhobene Anklage gegen Maduro behauptet, sondern um den Zugriff auf die venezolanischen Ölreserven. Man werde selbst Venezuela „führen“, verkündete er, die US-Ölkonzerne seien bereit, in Venezuela aktiv zu werden. Dafür stellt er auch einen Regierungswechsel zurück. Wenn die als Stellvertretung Maduros in das höchste Staatsamt gekommene Vizepräsidentin Delcy Rodríguez mit Washington kooperiere, sei alles gut. Wenn sie sich aber weigere, könne es ihr „noch schlimmer ergehen als Maduro“ – was kaum anders als eine Morddrohung interpretiert werden kann. Willfährig interpretierten westliche Medien Äußerungen von Rodríguez, man sei zu Dialog auf Augenhöhe bereit, als Nachgeben gegenüber Trump. Allerdings hatte auch Maduro immer wieder Gesprächsbereitschaft signalisiert, vor einigen Wochen war es sogar zu einem Telefongespräch zwischen Trump und Maduro gekommen, über dessen Inhalt allerdings wenig bekannt wurde.

Die rechte Opposition Venezuelas, die den Überfall auf ihr Land zunächst frenetisch bejubelt hatte, sieht inzwischen konsterniert auf die Lage. Hatte sich María Corina Machado, die erst kürzlich in Oslo mit dem Friedensnobelpreis gepampert worden war, schon im Präsidentenamt gesehen, erteilte Trump ihr eine Abfuhr – sie habe keine ausreichende Basis in Venezuela. Auch für den von den USA (und der EU) offiziell als Sieger der Präsidentschaftswahl 2024 anerkannten und im spanischen Exil lebenden Edmundo González hat die US-Regierung offenbar keine Rolle vorgesehen. Man setzt in Washington offenbar darauf, führende Köpfe der bisherigen Regierung als Statthalter benutzen zu können, um die Übernahme der venezolanischen Ölreserven durchzuführen. An mehr scheinen Trump und sein Außenminister Marco Rubio derzeit nicht interessiert zu sein.

Während zahlreiche Regierungen weltweit – etwa Mexiko, Kolumbien, China, Russland und sogar Spanien – mit klaren Worten den Völkerrechtsbruch Washingtons verurteilten, hüllte sich die Bundesregierung in lautstarkes Schweigen. Die rechtliche Bewertung sei „komplex“, behauptete Bundeskanzler Friedrich Merz. Von Außenminister Wadephul gibt es auf der Homepage des Auswärtigen Amtes kein Wort zu Venezuela – dafür aber mahnende Worte in Richtung China wegen eines Manövers in der Nähe Taiwans. Demgegenüber gingen insgesamt mehrere tausend Menschen in vielen deutschen Städten spontan gegen die US-Aggression auf die Straße.

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"Krieg für Öl", UZ vom 9. Januar 2026



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