Thomas Metscher legt in erweiterter Auflage sein Grundlagenwerk zur Kunst vor

Marxismus und Kunst

Lenin sah die weltgeschichtliche Bedeutung des Marxismus darin begründet, „dass er die wertvollsten Errungenschaften des bürgerlichen Zeitalters keineswegs ablehnte, sondern sich umgekehrt alles, was in der mehr als zweitausendjährigen Entwicklung des menschlichen Denkens und der menschlichen Kultur wertvoll war, aneignete und es verarbeitete“. Dieses Zitat entstammt dem Band „Kunst. Ein geschichtlicher Entwurf“, verfasst von Thomas Metscher, in zweiter, erweiterter Auflage erschienen im Kasseler Mangroven-Verlag.
Der Autor ist Literaturwissenschaftler – daher seine Nähe zu Themen der Kunst. Und er ist einer der ganz wenigen über Deutschland hinaus bekannten Philosophen, die die Fackel des Marxismus durch unsere wenig erleuchtete Gegenwart tragen. Das allein schon lenkt die Aufmerksamkeit auf seine jüngste Veröffentlichung, deren erste zwei Teile er 2012 veröffentlicht hatte.

Die Neuauflage ist um einen dritten Teil ergänzt. Dieser thematisiert die Einheit von Wissenschaft, Philosophie und Kunst als Grundpfeiler des Integrativen Marxismus – eines theoretischen Gegenstands, mit dem Metscher sich unter gleichem Titel in einer Arbeit aus dem Jahre 2017 befasst hatte. Der dritte Teil widmet sich ferner dem Verhältnis von Ideologie und ästhetischer Wahrheit. Die beiden vorausgehenden Teile behandeln den allgemeinen Kunstbegriff und die historische Entwicklung des Gegenstands der Ästhetik sowie das Verhältnis von Marxismus und Kunst, Künsten und Kunsttheorie.

In der politischen Praxis des alltäglichen Kampfes stehen diese Themenstellungen nicht im Vordergrund. Sie zu vernachlässigen oder gar zu ignorieren bedeutet, Lenins oben zitierte Erkenntnis zu vergessen, dass es für den Marxismus wichtig ist, sich die historische Entwicklung insgesamt – inklusive der Kultur – anzueignen. In diesem Sinne ist die Arbeit von Thomas Metscher über Kunst ein wichtiger Beitrag, der das Erbe von Marx, Engels und Lenin am Leben erhält.

Eine neue Gesellschaft, die aus einer künftigen Revolution hervorgehen wird, bedarf unerlässlich einer marxistischen Theorie der Kunst und der Künste. Dafür mit seiner Veröffentlichung eine Vorarbeit geleistet zu haben, ist das große Verdienst von Thomas Metscher. In diesem Zusammenhang seien auch zwei weitere seiner Veröffentlichungen genannt, die in keiner marxistischen Theoriebibliothek fehlen dürfen: seine theoretischen Studien mit dem Titel „Ästhetik, Kunst und Kunstprozess“ (2013) und seine „Pariser Meditationen. Zu einer Ästhetik der Befreiung“ (2019).


Thomas Metscher
Kunst. Ein geschichtlicher Entwurf
Zweite, erweiterte Auflage, ­Mangroven Verlag, Kassel 2020,
248 Seiten, 20 Euro

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"Marxismus und Kunst", UZ vom 11. Juni 2021



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