Betr.: „Nullrunde für 3,8 Millionen Beschäftigte“, UZ vom 20. 5.2016

Nullrunde oder Umverteilungsrunde?

Von Rudi Christian, Hamburg

Im Unterschied zu vorausgegangenen Metall-Tarifrunden spricht die geringfügige Inflation diesmal dafür, dass es eben keine Nullrunde wird. Das sehen offenbar auch die Beschäftigten so, denn anders als Werner Sarbok erwartet, hat es bisher wenig bis keine Diskussionen über den Abschluss gegeben. Darum ist schon der Titel eher unzutreffend.

Wenig zutreffend ist auch die Darstellung der wirtschaftlichen Lage. Von Absatzeinbrüchen in der Autoindus­trie kann trotz Abgasskandal nicht die Rede sein. So meldet der Hauptverursacher Volkswagen bis April dieses Jahres Absatzsteigerungen von 0,8 Prozent. Andere Hersteller liegen noch weit besser. Die angeblich für eine positive Tendenz sprechenden Großaufträge im Schiffbau (im Artikel wird von Reedereien gesprochen) betreffen allein das Geschäft mit Kreuzfahrtschiffen und damit hauptsächlich die Meyer-Werft in Papenburg. Für andere Schiffbauer sehen die Geschäfte mau aus, von den Reedereien gar nicht zu reden, die sich seit Jahren gegen fallende Frachtraten in immer größere Fusionen retten. Auch die öffentlich groß herausgestellten Pläne der malaysischen Genting-Gruppe, die die Werften in Wismar, Warnemünde, Stralsund und die Bremerhavener Lloyd-Werft gekauft hat, um dort ebenfalls Kreuzfahrtschiffe zu bauen, sind mit Vorbehalt zu sehen. Der russische Vorbesitzer kam über Planungen nicht weit hinaus. Es wäre jedenfalls gut gewesen, einen zweiten Blick auf die Wirtschaftslage und besonders auf die Ergebnisse der Metall-Tarifrunde und deren Resonanz bei den Belegschaften zu werfen.

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"Nullrunde oder Umverteilungsrunde?", UZ vom 27. Mai 2016



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