Es muss eine eigene Marketing-Abteilung im Pentagon geben, die sich die Namen für all die Kriege und Feldzüge der USA ausdenkt. „Project Freedom“ war ihre letzte Erfindung. Sie galt einem Einsatz der US-Marine, die all die Schiffe aus dem Persischen Golf in einem „sicheren Korridor“ durch die Straße von Hormus geleiten sollte, aus humanitären Gründen natürlich.
Ob es ein wirklicher Geleitzug unter militärischer Bedeckung werden sollte oder doch nur eine Wegbeschreibung in Absprache mit Reedern und Versicherungen, war nicht klar. Doch die Dummheit des Marktes zeigte sich umgehend: Endlich würde das Öl wieder fließen, der Ölpreis sank. „Mission accomplished“.
Doch zum ganz großen Wurf wurde das Projekt nicht. Der Iran beharrte auf seinen Regeln. Kein Schiff durfte die Straße von Hormus ohne Absprache und ohne die Gebühren passieren. Ansonsten würde es beschossen werden.
Die Zahlen differieren. Nach Angaben der USA passierten zwei Schiffe, nach Angaben des Iran keines die Straße von Hormus. Hunderte weitere bleiben im Persischen Golf zurück.
Um seiner Entschlossenheit Nachdruck zu verschaffen, vertrieb das iranische Militär ein US-Kriegsschiff mit Warnschüssen. Und weil das „Project Freedom“ das Waffenstillstandsabkommen verletzte, griff es zusätzlich Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) an. Und der Ölpreis – stieg.
Trump reagierte. Die Blockade des Iran sei „das größte militärische Manöver in der Geschichte“, erklärte er gegenüber „Fox News“. Voller Stolz präsentierte er die US-Navy als Piraten, die ein einträgliches Geschäft betrieben. Doch in ungewohnter Zurückhaltung nahm er die iranischen Aktionen nicht zum Anlass weiterer Drohungen, sondern redete sie klein. Ob er das „Project Freedom“ weiterverfolgen will, ob der Waffenstillstand hält, ob Schiffe die Straße von Hormus ohne iranische Einwilligung passieren können, ist ungewiss.
Mittlerweile ist es am Iran, die Situation positiv zu sehen. Die Vermittlung durch Islamabad mache Fortschritte, meinte Außenminister Abbas Araghchi. Die USA müssten nur vermeiden, sich weiter in den Sumpf des Krieges ziehen zu lassen.
Das wird nicht zuletzt von Reaktionen Israels und der VAE abhängen. Nur eines ist sicher: Die Marketing-Abteilung des Pentagon hat den Namen für einen möglichen weiteren Krieg bereits in der Schublade.


