Seit dem 1. Mai dürfen 53 Staaten Afrikas ihre Waren zollfrei in die VR China exportieren. Diese Ausweitung der Nullzollpolitik – sie gilt schon seit 2005 für die 33 ärmsten Länder Afrikas – kostet China etwa 1,4 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Die Maßnahme ist einseitig: Afrikanische Staaten dürfen weiterhin Zölle auf chinesische Importe erheben.
China setzt damit einen wichtigen Schritt für die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas um, den Experten schon länger fordern. Er unterstützt die Agenda 2063 der Afrikanischen Union (AU), die auf den Aufbau einer panafrikanischen Wirtschaft zielt, und korrespondiert mit der African Continental Free Trade Area, 2021 von der AU eingerichtet.
Die Nullzollpolitik zeigt, dass China sich nicht mehr als Entwicklungsland sieht. Der immense Erfolg der eigenen wirtschaftlichen Entwicklung trägt Früchte. 2025 betrug der Handelsüberschuss Chinas mit Afrika 102 Milliarden US-Dollar, Tendenz steigend. Die einseitige Zollfreiheit trägt der mittlerweile ungleichen Stellung Chinas gegenüber Entwicklungsländern Rechnung und soll helfen, die Handelsbilanz künftig auszugleichen.
Uneigennützig ist der Schritt nicht. Vor allem der Export afrikanischer landwirtschaftlicher Erzeugnisse nach China dürfte wachsen, was die Ernährungssicherheit in der Volksrepublik verbessert. Am größten ist die Armut in Afrikas ländlich geprägten Regionen. Die Zollfreiheit kann zum Motor für Produktivitätssteigerung in immer noch auf Subsistenzwirtschaft basierenden Gebieten werden – und damit auch Afrikas Ernährungssicherheit verbessern.
Chinas Maßnahme unterstreicht, dass Afrikas Bedeutung als Wirtschaftspartner wächst. In manchen Lieferketten, etwa für Smartphones oder Laptops, hat der Kontinent heute schon beispielloses Gewicht.
Ein Allheilmittel für Entwicklungshemmnisse ist die Nullzollpolitik nicht. Sie muss von weiteren Maßnahmen flankiert werden, die die chinesische Regierung teils schon angekündigt hat – etwa der Anerkennung von Qualitäts- und Lebensmittelstandards der Handelspartner. Während der Werte-Westen sich in Zollkriegen zerlegt, stellt China die Vorstellung in Frage, wirtschaftliche Entwicklung könne nach dessen „Rezepten“ erfolgen.


