Gedenkveranstaltung an Ernst Thälmann und die Ziegenhalser Tagung des ZK der KPD

Sein Vorbild ist uns Kompass

Der Freundeskreis „Ernst Thälmann“ e. V. Ziegenhals-Berlin hat am 8. Februar an den 93. Jahrestag der illegalen Tagung des Zentralkomitees der KPD im Sporthaus Ziegenhals erinnert.

Dort waren am 7. Februar 1933 Mitglieder und Kandidaten des ZK unter der Führung des Parteivorsitzenden Ernst Thälmanns zusammengekommen, um die Ausrichtung der Partei auf die deutlich erschwerten Kampfbedingungen im Faschismus festzulegen. In seiner Ziegenhalser Rede analysierte Thälmann nüchtern den Klassencharakter des Faschismus, benannte selbstkritisch Versäumnisse und Fehler der KPD und prangerte den Verrat der SPD-Führung an, die das Streben vieler SPD-Arbeiter nach antifaschistischer Gegenwehr torpedierte. Die Tagung in Ziegenhals markierte den Beginn des organisierten Widerstands gegen das Nazi-Regime.

Auf der Gedenkveranstaltung des Freundeskreises „Ernst Thälmann“ sprachen dessen Vorsitzender Max Renkl. „Wir ehren heute hier Ernst Thälmann und seine Genossinnen und Genossen, weil sie ihren Kompass nicht verloren haben, auch in dunkelster Zeit“, sagte Renkl. Er schlug einen Bogen zu aktuellen Aufrüstungs- und Sozialkahlschlagsprogrammen der Bundesregierung. Thälmann habe sich nie auf eine wie auch immer geartete Standort-Logik der Herrschenden eingelassen. „Er lebte und kämpfte für die Arbeiterklasse, für die werktätigen Massen. Er war überzeugt von der Kraft der
Arbeiterklasse, wenn sie erst einmal vereint zuschlägt. Für die Einheit der Arbeiter gegen Faschismus und Kapital hat er alles gegeben, sein Können, sein Wissen, sein Leben!“ Sein Vorbild solle uns Kompass sein.

Die Teilnehmer der Gedenkveranstaltungen legten Kränze und Blumen an dem Gedenkstein für die Ziegenhalser Tagung gegenüber der zerstörten Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in der Seestraße in Königs Wusterhausen nieder.

Gestört wurde das Gedenken von der Polizei. Beamten hielten einen Teilnehmer auf, der eine Fahne der VVN-VdA trug. Auf der Fahne ist ein gleichseitiges rotes Dreieck abgebildet, Symbol der politischen Gefangenen in den KZ der Nazis. Die Polizisten verwechselten es mit dem gleichschenkligen roten Dreieck der Hamas. Sie nahmen die Personalien des Fahnenträgers auf, fotografierten ihn und hielten telefonisch Rücksprache mit „einem Vorgesetzten“ sowie einem „diensthabenden Staatsanwalt“. Das geht aus einer Kleinen Anfrage des Brandenburger Landtagsabgeordneten Sven Hornauf (BSW) vom 10. Februar hervor, die UZ vorliegt. Danach sei dem Betroffenen mitgeteilt worden, diese Fahne der VVN sei „nur im Kontext dieser Veranstaltung als ‚nicht verboten‘ eingestuft und angesehen“ und unterliege deshalb „nicht der Einziehung“.

„Wir fordern die Landesregierung auf, diese bewusste oder unbewusste Vermischung von Symbolen zu beenden und ihre Polizeibehörden besser zu schulen, damit wir und andere Antifaschistinnen und Antifaschisten auf unseren Veranstaltungen keine derartigen Störungen erleben müssen“, erklärte der Freundeskreis „Ernst Thälmann“ e. V. Ziegenhals-Berlin.

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