Der Tod des Zugbegleiters Serkan C. macht wütend, denn er ist eine direkte Konsequenz jahrzehntelanger neoliberaler Bahnpolitik. Seit Jahren weisen die Gewerkschaften und die Interessensvertretungen auf die zunehmende Gewalt gegen Bahnbeschäftigte hin. Was am 2. Februar in einem Regionalexpress nach Homburg geschah, war daher kein Unfall – es war ein vorhersehbares Ergebnis systematischen Kaputtsparens öffentlicher Infrastruktur. Seit Mitte der 1990er Jahre werden Nahverkehrsleistungen ausgeschrieben. Seitdem ist das Prinzip „Geiz ist geil“ Betriebsmodell. Die Folge: Züge werden nur noch mit einem einzigen Zugbegleiter besetzt, Sicherheitspersonal ist nicht vorgesehen. Ralf Damde vom Gesamtbetriebsrat bringt es auf den Punkt: „Es wird immer an den Menschen gespart.“
In den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der Übergriffe auf Bahnbeschäftigte von rund 1.500 auf knapp 3.000 im Jahr 2025 fast verdoppelt. Das sind acht Attacken pro Tag. Rund 80 Prozent der Kolleginnen und Kollegen haben bereits verbale oder körperliche Übergriffe erlebt, zwei Drittel fühlen sich bei der Arbeit nicht mehr sicher. Auch die Intensität der Übergriffe nimmt zu – von Beleidigungen über Bedrohungen bis hin zu körperlicher Gewalt.
Die politische Verantwortung ist klar: Jahrzehntelang haben Bundesregierungen unterschiedlicher Couleur die Bahn auf Profitmaximierung getrimmt. Die Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs wurden in Ausschreibungen gezwungen, immer billiger einzukaufen. Das Motto „je weniger Geld ich habe, desto weniger gebe ich aus“ bestimmt die Vergabepraxis. Die Politik hat bewusst in Kauf genommen, dass Zugbegleiter allein und schutzlos ihrer Arbeit nachgehen müssen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) fordert seit Jahren eine verpflichtende Doppelbesetzung. Doch erst muss ein 36-jähriger Familienvater sterben, bevor die tägliche Bedrohung zur Kenntnis genommen wird. Wir brauchen keine Sicherheitsgipfel und kein Gerede – wir brauchen eine grundlegende Kehrtwende in der Verkehrspolitik.
Öffentliche Daseinsvorsorge darf keine Ware sein. Die Sicherheit von Beschäftigten und Fahrgästen muss Vorrang haben vor Kosteneffizienz. Serkan C.s Tod mahnt uns: Sparpolitik tötet. Es ist Zeit, dass die Verantwortlichen durch Druck zum Handeln gezwungen werden.


