Zu „Mauertote und kein Pflaster“, UZ vom 22. Januar

Ursachen ausgeblendet

Roland Winkler, Aue

30 Jahre nach der Niederlage des bisherigen Sozialismus haben der Antikommunismus und seine Vertreter nichts an ihrem tiefen Hass, an Hetze und Feindschaft verloren. Nichts, was dafür nicht benutzt würde, was zu dumm, primitiv, schizophren und verlogen sein könnte. Leider wird auch die Geschichte der Charité dazu benutzt. Die Ereignisse vor, um und nach 1961, die Zeit von Klassenauseinandersetzungen, von Kaltem Krieg, brauchen nur zusammenhanglos dargestellt zu werden. Es darf kein Davor und keine Ursachen geben oder diese werden nur nebenbei erwähnt. So lässt sich das Feindbild perfekt in die Köpfe bringen. Was die Sieger zu erzählen haben, was könnten die lebenden Generationen von heute daran anzuzweifeln haben? Dazu eine Partei „Die Linke“, die sich seit Jahrzehnten für ihre Existenz, ihren Versuch und schwierigen Weg nur entschuldigt. Welche Wahrheiten bleiben dann? In solchen Verfilmungen kann nicht vorkommen, was zu der Grenze führen musste, was westliche Geheimdienste an Abwerbung betrieben haben, welche Provokationen es von westlicher Seite gab mit nicht wenigen Toten. Wenn ein Wismut-Kumpel an Silikose stirbt, dann müssen die Russen und deren Rüstung schuld sein. Erz für den Frieden muss lächerlich gemacht werden und von den ersten US-Atombomben wird kein Wort gesagt. So wird Geschichte antikommunistisch geschrieben. Ein Rudolf-Virchow-Arzt und Pathologe der Charité, der den Grundsatz hatte „Eine Regierung kann sich nur daran messen lassen, wie sie sich zu den Kranken und Alten und Schwachen verhält“ – das passt nicht ins Bild.

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"Ursachen ausgeblendet", UZ vom 29. Januar 2021



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