Zu „Fronteinsatz im Gesundheitsamt“, UZ vom 23. Oktober

Warte nicht auf bessere Zeiten

Roland Winkler, Aue

Nicht nur am Hindukusch verteidigen gerade deutsche Soldaten das Menschenrecht auf Gesundheit, sondern auch im eigenen Lande im Kampf gegen Corona. Das entspringt kaum der Vernunft, eher der Not und einem profitabel gemachten Gesundheitsmarkt. Vernunft hingegen könnte zu der Erkenntnis führen, dass Rüstung, Militär und Kriege in aller Welt nicht schuldlos an Katastrophen sind, die Menschen und ihre Heimatländer zerstören, Existenzgrundlagen nehmen, Armut und Not bringen – und auch das erzeugte Elend in vielerlei Gestalt zu uns bringen.

Welche Erkenntnis wird aus dem Fehlen von gut ausgebildetem Personal, schlechter Bezahlung und ebensolchen Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen gewonnen? Wird es ein Überdenken eines Gesundheitswesens, das auf Profit getrimmt ist, geben? Die Erkenntnis wird kaum produktiv werden, wenn nicht Druck aufgebaut wird. Die sogenannte Corona- Krise als wesentlich gesellschaftliche und Systemkrise macht schließlich auch sichtbar, wie sich mit gefährlichen Krankheiten gewaltige Profite machen lassen. Darüber schweigen allerdings unsere rund um die Uhr stattfindenden Informationsfluten zum Corona-Verlauf.

Dem Anschein nach hat die Streikbereitschaft von ver.di vor dem Corona-Hintergrund Wirkung erzielt, was einige Zugeständnisse der „Arbeitgeber“ andeuten. Es ist also für Gewerkschaften gerade jetzt richtig, die Zähne zu zeigen anstatt stillzuhalten, zu erdulden und auf bessere Zeiten zu warten, wie es selbst aus dem linken Lager empfohlen wird.

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"Warte nicht auf bessere Zeiten", UZ vom 6. November 2020



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