Zu „Kein Selbstzweck“, UZ vom 16. September

Was ist zu tun?

Christine Christofsky, Köln

Viel Kritik, aber keine machbaren Vorschläge, was zu tun ist, um dem schleichenden Abwärtstrend der Mitgliederzahlen bei ver.di Einhalt zu gebieten. Auch nach dreimal lesen weiß ich nicht, wohin Orhan Akman will. Er sagt, wir sind eine Tarifgewerkschaft, unser Kerngeschäft ist der Abschluss von Tarifverträgen. Ja, die Schwierigkeit ist nur, dass auf der Gegenseite immer mehr Unternehmen ohne Tarifbindung sind oder ganz aus dem „Arbeitgeberverband“ aussteigen. Nur noch etwa 30 bis 40 Prozent der Beschäftigten arbeiten in einem tarifgebundenen Betrieb. Würde sich das ändern, wenn die Tarifverhandlungen nur noch zentral für die Bundesrepublik stattfänden, wie es Orhan vorschlägt? Nein. Die regionalen Tarifkommissionen bieten den ehrenamtlichen Mitgliedern, den Gewerkschaftsmitgliedern der Betriebe in der Region, die Möglichkeiten, bei den Tarifverhandlungen mitzuwirken, die Ergebnisse in ihren Betrieben zu vertreten und umzusetzen oder Kampfmaßnahmen zu beschließen. Sie können in der Vorbereitung der Verhandlungen die Streikbereitschaft in ihren Betrieben einschätzen und nur die ist entscheidend für das Ergebnis der Verhandlungen.

Zu viele Hauptamtliche an der Spitze, sagt Orhan. Sie könnten besser an der Basis im Betrieb arbeiten. Das wäre vielleicht bei der einen oder anderen Funktion möglich, aber gerade für eine solche Funktion will Orhan kandidieren. Und zu den von Orhan angeführten Plattformen für die Menschen, die politisch mehr tun wollen: Es sind leider keine Zehntausende, wie er meint, die sich trauen, gegen die veröffentlichten Meinungen, die auch bei Gewerkschaftsmitgliedern zu finden sind, Stellung zu nehmen. Wenn Plattformen fehlen, muss man sie sich schaffen, vielleicht auch erkämpfen. Weil das das Einfache ist, was schwer zu machen ist, brauchen wir von Orhans Zehntausenden mindestens noch ein paar Dutzend.

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"Was ist zu tun?", UZ vom 30. September 2022



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