Am 14. und 15. März findet der Bundeskongress der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) in Frankfurt am Main statt. UZ sprach mit der Bundesvorsitzenden Andrea Hornung und mit Marco Blum, Mitglied der Bundesgeschäftsführung der SDAJ, über die Schulstreiks gegen die Wehrpflicht, notwendige Kämpfe und die Erfolge des Verbands.
UZ: Der SDAJ-Bundeskongress findet in einer Zeit statt, in der der Druck auf die Jugend massiv steigt. Zugleich wehren sich zehntausende Jugendliche mit Schulstreiks gegen die kommende Wehrpflicht. Welche Kämpfe werden aus eurer Sicht in den kommenden zwei Jahren entscheidend sein?
Andrea Hornung: Die Jugend soll doppelt für Aufrüstung und Krieg zahlen: schon heute mit kaputten Schulgebäuden, morgen im Schützengraben mit ihrem Leben. Die Schulstreiks sind auch ein Ergebnis dessen, was Schülerinnen, Schüler und Jugendliche insgesamt seit Jahren erleben: Die Politik hört uns nicht, sie kümmert sich nicht um uns, wir sind ihr egal. Das zeigt der Umgang mit der Corona-Pandemie, das zeigt die Zerstörung unserer Umwelt und das zeigt sich an der Perspektivlosigkeit nach der Schule. Es gibt nicht genug Ausbildungsplätze, Wohnungen werden immer unbezahlbarer. Für die Aufrüstung ist aber immer Geld da. In dem Moment, in dem wir auch noch zum Kriegsdienst gezwungen werden, ist es gelungen, diese Unzufriedenheit, diese Wut auf die Straße zu bringen.
Das zeigt: Es gibt eine große Unzufriedenheit unter der Jugend. Wir müssen gemeinsam mit der arbeitenden und lernenden Jugend für ihre Interessen aktiv werden – gegen Sozialkahlschlag, gegen Wehrpflicht und Krieg und gegen den Kapitalismus!
UZ: Auf eurem Bundeskongress werdet ihr auch über die Wehrpflicht und die Schulstreiks diskutieren. Ihr sprecht davon, dass das der Beginn einer großen antimilitaristischen Jugendbewegung werden kann. Was habt ihr hierzu geplant?
Andrea Hornung: Unser Fokus als SDAJ liegt gerade ganz klar auf den Schulstreiks gegen die Wehrpflicht. Wir sind in Schulstreikkomitees aktiv, gründen weitere Komitees auch direkt an Schulen, bereiten die Streiktage vor. Wir wollen uns auf dem Bundeskongress in einem eigenen Antrag mit den Schulstreiks auseinandersetzen und uns zu unseren Erfahrungen und zu den nächsten Schritten der Bewegung austauschen.
Die große Bedeutung der Schulstreiks gegen die Wehrpflicht liegt darin, dass sie diejenigen mobilisieren, die zum Kriegsdienst gezwungen werden sollen. Sie werden von Objekten der Kriegstreiberei zu Subjekten des Friedenskampfes. Das Mittel der Streiks erlaubt dabei potenziell, den reibungslosen Ablauf der Kriegsvorbereitung zu stören und ihm etwas entgegenzusetzen.
Damit uns das gelingt, haben wir aber noch einiges vor uns. Wir müssen der Resignation entgegenwirken, denn der Kampf wird lang und anstrengend werden. Wir müssen aber auch deutlich machen: Wir können etwas erreichen, wenn wir uns zusammenschließen. Wir können zum Beispiel wie in Kassel Bundeswehrauftritte an Schulen stören oder bundeswehrfreie Schulen erkämpfen, wie es Schülerinnen und Schüler in Göttingen gerade versuchen. Dafür dürfen wir uns weder einschüchtern noch einbinden lassen. Das bedeutet, die Lüge von der Bedrohung durch Russland zu entlarven und deutlich zu machen, dass Deutschland an der Seite der NATO-Staaten den Krieg vorbereitet und Krieg für Profite geführt wird. Und wir können diesen Kampf nicht allein führen. Dafür brauchen wir den Schulterschluss von Schülerinnen und Schülern mit Lehrern, Eltern, mit den Gewerkschaften und der Friedensbewegung. Denn die Kriegsvorbereitung können wir nur gemeinsam stoppen! Eine große antimilitaristische Jugendbewegung ist eine wichtige Bedingung dafür.
UZ: Was steht noch auf der Tagesordnung?
Andrea Hornung: Im Leitantrag Handlungsorientierung stellen wir fest: „Die allgemeine Krise des Kapitalismus zeigt sich in allen gesellschaftlichen Bereichen überdeutlich: Ein weiterer Weltkrieg droht, die Umweltkatastrophe beschleunigt sich, Armut und Arbeitslosigkeit nehmen auch in Deutschland zu. Demokratische Rechte und soziale Errungenschaften werden abgebaut, rechte und faschistische Kräfte werden stärker.“ Wir wollen gemeinsam analysieren und diskutieren, wie wir Proteste dagegen stärken können, wie wir Klassenbewusstsein schaffen und die revolutionären Kräfte in diesem Land stärken.
Marco Blum: Unsere über 200 Delegierten werden sich außerdem darüber austauschen, wie wir die SDAJ weiterentwickeln können – wir wollen zum Beispiel weitere Schul- und Betriebsgruppen gründen. Außerdem werden wir diskutieren, wie wir unser Magazin, die „Position“, weiterentwickeln müssen, um damit in der heutigen Zeit erfolgreich in Schulen, Betrieben und Kämpfen arbeiten zu können. Und darüber, wie wir es nutzen können, um mit unseren Kolleginnen, Kollegen, Mitschülerinnen und Mitschülern in die Diskussion zu kommen. Wir werden auch einen neuen Bundesvorstand wählen.
Das Besondere an unserem Kongress ist nicht nur, dass das, was wir dort beschließen, anschließend von allen Gruppen im Bundesgebiet umgesetzt wird, sondern auch, dass wir uns zu all diesen Fragen schon seit Monaten im ganzen Verband austauschen. Bei uns wird wirklich jedes Mitglied in die Diskussion einbezogen. Der Beschluss auf dem Kongress ist der Abschluss einer langen und großen demokratischen Debatte. Dafür stehen auch die insgesamt fast 400 Anträge, die wir diskutieren werden.
UZ: In den vergangenen Jahren ist die SDAJ deutlich gewachsen und stärker geworden. Ist der Bundeskongress auch eine Gelegenheit, Erfolge zu feiern?
Marco Blum: Nicht nur abends beim Bier, sondern auch tagsüber bei den Diskussionen werden wir feiern, was für ein Erfolg der Schulstreik gegen die Wehrpflicht war und dass wir daran aktiv mitgewirkt haben. Wir feiern auch, dass wir uns als Verband in den letzten vier Jahren verdoppelt haben, vor wenigen Monaten einen neuen Landesverband in Ostdeutschland gründen konnten, mittlerweile in vier Städten (Berlin, Hamburg, Köln, Hannover) mehrere Ortsgruppen haben und letzte Woche eine Schulgruppe in Münster gegründet wurde. Damit haben wir nun 63 Gruppen und auch in diesem Jahr werden wir weiterwachsen und weitere Schulgruppen gründen. Wir werden uns aber auch damit auseinandersetzen, wie wir die Bildungsarbeit im Verband organisieren müssen, wie wir unsere Leitungsstrukturen so weiterentwickeln können, dass wir die Erfahrungen, das Wissen und die Kraft eines und einer jeden nutzen können. Unsere Aufgaben werden nicht kleiner. Den Krieg zu verhindern und den Kapitalismus zu überwinden bedeutet, einen harten Kampf aufzunehmen. Aber dazu sind wir bereit. Und wir freuen uns, dass wir für diese Diskussionen auch internationale Gäste und vor allem die DKP, die Partei an unserer Seite, begrüßen dürfen.









