Fast so schnell, wie Syrien unter Assad dem Ansturm der Dschihadisten erlag, zerstören diese jetzt die Kontrolle der kurdischen Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) über die syrischen Provinzen Deir Ezzor, Raqqa und Hasaka.
Nachdem die SDF zunächst aus Aleppo vertrieben worden waren, ließ ihnen ein koordinierter Angriff des syrischen Militärs und von Stammesorganisationen im Tal des Euphrat keine Chance. Der Oberbefehlshaber der SDF, Mazlum Abdi, musste einem Waffenstillstandsabkommen zustimmen. Saudi-Arabien, Katar, die Türkei und Frankreich gehörten zu den ersten, die den Waffenstillstand begrüßten.
Das Abkommen verlangt im Wesentlichen das, was vor fast einem Jahr vereinbart worden war. Es betont die Einheit Syriens und sieht vor, dass „alle zivilen und militärischen Einrichtungen im Nordosten Syriens“ in die Verwaltung des syrischen Staates eingegliedert werden, „einschließlich der Grenzübergänge, des Flughafens sowie der Öl- und Gasfelder“. Die Armee des Übergangspräsidenten al-Sharaa rückt bereits in die Gebiete ein.
Besonders schmerzhaft für die SDF: Die Eingliederung in die syrische Armee erfolgt auf individueller Basis. Die Forderung, die die SDF über Jahre verfolgt hatten, die Eingliederung müsse auf Basis von ganzen militärischen Einheiten erfolgen, ist passé. So ist die jahrelange Hinhaltetaktik, die die SDF in Verhandlungen mit der Regierung Assad betrieben hatten, an ihre Grenze gestoßen.
Nachdem die SDF aus Aleppo vertrieben waren, gab es von Seiten der USA ein kurzes Zögern. Sollte man die SDF den Wölfen zum Fraß vorwerfen? Die Antwort war: Ja. In einem Treffen mit al-Sharaa betonte Thomas Barrack, der Sondergesandte des US-Präsidenten, die Einheit Syriens und die Souveränität über sein gesamtes Territorium – lassen wir einmal die Gebiete beiseite, die von Israel besetzt sind. Zugleich besprachen die Teilnehmer eine stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Syrien und den USA. Es folgte ein Anruf von Trump selbst.
Die SDF haben in der Zeit ihres Bestehens alles auf eine Karte gesetzt: Die Zusammenarbeit mit den USA gegen die syrische Regierung. Assad wurde gestürzt, al-Sharaa sitzt fest im Sattel und ist zur nötigen Zusammenarbeit mit Israel bereit – die USA haben ihre Ziele erreicht. Jetzt folgen sie Schillers Motto: „Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen.“
Doch die Kurden in der Region mobilisieren zum Widerstand.








