Das historische Datum, der Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Faschismus, hat auch der Schulstreik-Demonstration in Cottbus besondere Bedeutung verliehen. Unter dem Motto „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus! Nie wieder Wehrpflicht!“ versammelten sich 200 Schülerinnen und Schüler sowie zahlreiche weitere Unterstützer ab 12 Uhr auf dem Altmarkt.
Viele trugen Transparente und Schilder mit Parolen wie „Bundeswehr raus aus den Schulen!“ oder „Wehrpflicht? Nein danke!“ Zuspruch gab es von vielen Passanten. Der Landesschülerrat Brandenburg und die junge BAU bekräftigten in Audiobotschaften ihre Unterstützung des Streiks.
Der Demozug führte am Max-Steenbeck-Gymnasium vorbei. Dessen Schulleiter hatte Schülern anlässlich des Schulstreiks am 5. März mit Taschenkontrollen gedroht, sollten sie nicht aufhören, Plakate in der Schule aufzuhängen. Die Teilnehmer der Demo sind deshalb vor dieser Schule besonders laut. „Ich will keine Panzerfaust! Ich will gutes, bezahlbares Essen in unserer Cafeteria!“, fordert ein Schüler dieser Schule in seiner Rede. Schülerinnen und Schüler des Niedersorbischen Gymnasiums unterstreichen in ihrer zweisprachigen Rede: „My njocomy za waše profity wumrěś!“ („Wir wollen nicht für eure Profite sterben!“). In der südbrandenburgischen Lausitz leben etwa 20.000 Wenden. Diese autochthone slawische Minderheit lebt im Gebiet der Lausitz, die sich von Südbrandenburg bis Nordsachsen erstreckt.

Parolen wie „Nie, nie, nie wieder Wehrpflicht!“, „Panzer, Waffen, Bundeswehr schaffen keinen Frieden her“ oder „Merz, leck Eier!“ sorgen für eine kämpferische Atmosphäre. Der Protest der Streikenden ist weit über die Straßen hinweg bis in die Klassenzimmer zu hören. Die Demonstration zieht weiter zum Bundeswehr-„Karrierecenter“.Dort halten Mitglieder der SDAJ ihre Rede: „Damals wie heute sind es die deutschen Konzerne, die vom Krieg profitieren, die in KZs eigene Zwangsarbeiterlager betrieben.“
Zum Abschluss versammelten sich die Demonstrierenden am Denkmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus im städtischen Puschkinpark. Am Fuße der Statuen legten sie Nelken nieder. In den letzten Wochen häuften sich in Cottbus rechte Angriffe auf engagierte Menschen, die sich für eine solidarische Stadtgesellschaft einsetzen. Von Übergriffen extrem Rechter am Rande der Demonstration ließen sich die Streikenden an diesem Nachmittag nicht einschüchtern. Während der gesamten Demonstration herrschte eine motivierte, kämpferische und solidarische Stimmung, die zeigte, dass viele junge Menschen bereit sind, sich lautstark gegen Krieg, Faschismus und Wehrpflicht einzusetzen und dafür auch Repression in Kauf nehmen.










