Tausende Beschäftigte protestieren am „Black Friday“ gegen Ausbeutung

Amazon zur Kasse bitten

Mit einem Paukenschlag haben die Gewerkschaften am diesjährigen „Black Friday“ ihre Forderungen an den Online-Multi Amazon deutlich gemacht. Am 25. November riefen sie unter dem Motto „Make Amazon Pay“ in zwei Dutzend Ländern der Welt zu Protesten auf. In Deutschland, Frankreich und den USA kam es zu Arbeitsniederlegungen. Damit sei es zum ersten Mal zu einem internationalen Streiktag bei Amazon gekommen, hieß es in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft ver.di: „Das ist sehr wichtig, denn einem weltweit agierenden Großkonzern wie Amazon kann man nicht allein lokal, regional oder national begegnen. Wir brauchen die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Beschäftigten und ihrer Gewerkschaften.“

Seit fast zehn Jahren kämpft ver.di bei Amazon um die Anerkennung der Tarifverträge des Einzelhandels sowie um einen Tarifvertrag „Gute und gesunde Arbeit“. Am vergangenen Freitag legten dafür mehrere tausend Beschäftigte an zehn Standorten des Konzerns gleichzeitig die Arbeit nieder, in Achim bei Bremen, Bad Hersfeld (zwei Standorte), Graben bei Augsburg, Dortmund, Koblenz, Leipzig, Rheinberg, Werne und Winsen (Luhe). Das war der bislang größte Streiktag und Höhepunkt einer Welle von Arbeitsniederlegungen, die den Konzern seit dem Spätsommer erfasst hat.

In Frankreich mobilisierte die Gewerkschaft CGT ihre Mitglieder bei Amazon in acht Versandzentren zu Arbeitsniederlegungen. Ein besonderer Schwerpunkt der Aktionen im Nachbarland war das wichtigste Lager des Konzerns bei Paris, das von wütenden Arbeitern blockiert wurde. Und auch in Amazons Mutterland, den USA, kam es zu Streiks und Aktionen in zehn Städten. Unter anderem in Großbritannien und Polen wurden Arbeitsniederlegungen jedoch durch die dortige Gesetzgebung unmöglich gemacht. „In vielen Ländern, auch in einigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union, gelten noch immer Gesetze, die Gewerkschaften behindern in den Streik zu treten“, kritisierte ver.di-Sprecherin Monika Di Silvestre. „Ohne ein umfassendes Streikrecht ist das Engagement für existenzsichernde Löhne sowie für Tarifverträge und Arbeitnehmerrechte aber nicht mehr als ein kollektives Betteln. Wir fordern die Europäische Union daher auf, diese Zustände endlich zu beenden und eine Demokratisierung von Mitbestimmungsrechten in den betreffenden Mitgliedstaaten einzufordern.“ Das gilt letztlich auch für Deutschland, wo Arbeitskämpfe nach herrschender Rechtsprechung nur im Rahmen von Tarifauseinandersetzungen erlaubt sein sollen, politische Streiks jedoch für illegal erklärt werden.

Demonstrationen und Aktionen gab es auch unter anderem in Indien, Südafrika, Brasilien, Bangladesch und vielen weiteren Ländern. Protestiert wurde unter anderem vor dem Penthouse von Amazon-Gründer Jeff Bezos in Manhattan, vor dem Hauptquartier von Amazon Japan in Tokio oder auch in Berlin, wo Aktivisten ihre Forderungen an die Fassade des „Amazon Towers“ projizierten.

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"Amazon zur Kasse bitten", UZ vom 2. Dezember 2022



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