Zu den Folgen des Kriegs gegen den Iran

Atomare Aufrüstung

Israels „Enthauptungsschlag“ traf den Verteidigungsminister, Kommandeure, Politiker und vor allem das politische und religiöse Oberhaupt des Iran, Ali Chamenei. Der nach Ali as-Sistani im Irak zweithöchste Repräsentant des schiitischen Islam starb zusammen mit Familienmitgliedern in den Trümmern seiner Residenz. Das Bizarre daran: Ausgerechnet Chamenei war derjenige, der mit seiner Fatwa und seinem politischen Einfluss das Atomprogramm des Iran unbedingt auf die zivile Nutzung beschränken wollte. Er hatte dafür pragmatische und religiöse Gründe. Seine Haltung traf auf Widerstand aus den eigenen Reihen und den eines möglichen Nachfolgers.

Die Logik in deren Position ist einfach: Nur Atommächte wie Indien, Pakistan oder Nordkorea werden von den USA ein wenig respektiert. Auch Frankreich will jetzt seine Atommacht ausbauen, Deutschland will das „konventionell“ unterstützen mit gemeinsamen Atommanövern und einer nuklearen Lenkungsgruppe. Die Schlussfolgerung für Iran liegt auf der Hand. So kann es sein, dass ein Krieg, der wieder einmal angeblich gegen den Bau von Massenvernichtungswaffen geführt wird, am Ende erst zu ihrer Entwicklung führt.

Umgekehrt: Wenn den USA die Munition ausginge, bevor Iran besiegt ist, wie der Direktor des US-Generalstabs, Vizeadmiral Fred Kacher, prognostiziert hat – er wurde für diesen „Defätismus“ gefeuert –, würde dann Israel Atomwaffen einsetzen, die Samson-Option? Denn anders als der Iran ist Israel die wirkliche Atommacht in der Region, deren verantwortungslose Regierung sich an keine Abmachung und kein Völkerrecht und keine UN-Charta gebunden sieht. Donald Trumps und Benjamin Netanjahus Drohungen gegen den Iran sprechen Bände. „Teheran wird brennen“, drohte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz während des vorigen Kriegs seines Landes gegen den Iran.

Ein atomwaffenfreier Naher Osten kommt nicht über Nacht und schon gar nicht gegen den Widerstand der USA und Israels. Aber angesichts der wiederholten und andauernden Brüche des Völkerrechts, der Drohungen, Ermordungen und Überfälle ist es – unabhängig vom Verlauf des Kriegs – unverzichtbar, dass das Atomprogramm Israels Inspektionen und Kontrollen unterzogen wird und die Atomwaffen abgerüstet werden. Ein frommer Wunsch, gewiss. Aber auch eine Forderung, die unverzichtbar ist. Oder sollen wir warten, bis Teheran brennt, und sagen, wir hätten nichts gewusst?

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"Atomare Aufrüstung", UZ vom 6. März 2026



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